Der Kommunismus in seinem Zeitalter

Architektonische Machtphantasie: Preisgekrönter Entwurf für einen Sowjetpalast, der auf dem Standort der eigens dafür abgerissenen Erlöserkirche in Moskau errichtet werden sollte. Die in den 1930er Jahren aufgenommenen und durch den Krieg unterbrochenen Bauarbeiten wurden 1957 von Chruschtschow eingestellt. Copyright: Bundesstiftung Aufarbeitung / picture-alliance / akg-images

Überregional

Ibbenbüren. Im Jahr 2017 jährte sich die Russische Revolution zum 100. Mal, die mit dem Sturz des Zaren im Februar 1917 ihren Ausgang nahm. Doch die Hoffnung auf eine Demokratisierung Russlands sollte sich nicht erfüllen.

Im Oktober 2017 griffen in Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg, die Bolschewiki unter der Führung Lenins nach der Macht. Ihr Putsch, der später zur Oktoberrevolution mystifiziert werden sollte, war die Geburtsstunde des Kommunismus, der zur größten und tiefgreifendsten Massenbewegung des 20. Jahrhunderts wurde.

In der ganzen Welt entstanden Parteien, die als Teil der „Kommunistischen Internationale“ von ihren Mitgliedern totale Hingabe und absolute Disziplin verlangten. Sobald eine kommunistische Partei die Macht errungen hatte, mussten sich alle Bürgerinnen und Bürger ihrem Regime aktiv unterordnen.

Dieser gewaltsam durchgesetzte totalitäre Anspruch auf die Gestaltung aller Lebensbereiche hat zahllose Existenzen zerstört und Abermillionen Menschenleben vernichtet. Und er hat immense geistige sowie soziale Verwüstungen hinterlassen. Zugleich aber konnten die Kommunisten in ihren Hochzeiten einen erstaunlichen jugendlichen Enthusiasmus sowie bedeutende intellektuelle und künstlerische Energien mobilisieren – bis die permanenten Überspannungen in Erschöpfung, Passivität, Zynismus oder Dissidenz mündeten.

Trotz dieser Entwicklung kam der jähe Kollaps des „Sowjetischen Lagers“ und der UdSSR nach 1989 unerwartet – ebenso unerwartet wie der Aufschwung Chinas unter der ungebrochenen Diktatur der Kommunistischen Partei. Beides lässt die historische „Karriere“ des Weltkommunismus seit 1917 umso erklärungsbedürftiger erscheinen.

Die Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ beschreibt den Aufstieg und Niedergang der kommunistischen Bewegungen. Sie umfasst 25 Tafeln mit über 200 zeithistorischen Fotos, Dokumenten sowie QR-Codes, die mit Filmdokumenten im Internet verlinkt sind. Herausgegeben wurde die Ausstellung, die von Gerd Koenen erarbeitet wurde, von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutschen Historischen Museum.

Im Kontext der Ausstellung hat die VHS Ibbenbüren ein hochwertiges Begleitprogramm erarbeitet. Am Montag (22. Januar) liest der Initiator der Ausstellung, Gerd Koenen, um 19 Uhr aus seinem aktuellen Buch „Die Farbe Rot“. Die Lesung findet im Saal des Kulturhauses statt.

Karten zum Preis von 8 Euro sind bei der VHS Ibbenbüren erhältlich. Am 29. Januar (Montag) hält Dr. Jan C. Behrends vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam im Saal des Kulturhauses einen Vortrag mit dem Titel „Folgen der Oktoberrevolution bis in die Gegenwart“.

Auch hier sind die Karten zum Preis von 8 Euro bei der VHS Ibbenbüren erhältlich.

Zudem finden am 28. Januar (Sonntag) und 11. Februar (Sonntag) jeweils um 11 Uhr kostenlose öffentliche Führungen durch die Ausstellung statt. Für Gruppen bietet die VHS Ibbenbüren außerdem Führungen nach Terminvereinbarung unter der Telefonnummer 05451 / 931761 an. Die Präsentation ist von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr in den Räumen der VHS, 1. OG, im Kulturhaus der Stadt Ibbenbüren, Oststraße 28, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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