Musikalisches Abendlob

Der Kirchenchor St. Josef bietet am Sonntag in der Pfarrkirche St. Martinus eine ganz besondere Form des Gottesdienstes an. Foto: privat

Greven

Greven. Erstmalig in Greven hat der Kirchenchor St. Josef unter der Leitung von Klaus-Michael Plöger die alternative Gottesdienstform, die beispielsweise in Köln schon zum festen Repertoire des Domchores gehört, aufgegriffen und wird am Sonntag (31. Januar) um 17 Uhr in der St. Martinus-Kirche mit Pfarrer em. Dr. Heinz-Georg Surmund und Kantor Sebastian Bange an der Orgel das musikalische Abendlob gestalten.

 

In der Mitte des 16. Jahrhunderts legte der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer, in seiner Agende die sogenannten „services“ fest, von denen sich der Choral „Evensong“ ableitete. Das musikalische Abendlob erfreut sich heute noch stetig wachsender Beliebtheit über die Grenzen Englands hinaus.

Basierend auf der benediktinischen Stundengebetstradition verband Cranmer Elemente der Vesper (Abendgebet) und der Komplet (Nachtgebet ) so miteinander, dass eine neue, dramaturgisch wie musikalisch höchst interessante Form entstand.

Unverrückbare Bestandteile dieser neuen Form sind das „Magnificat“ (Vesper) und das „Nunc dimittis“ (Komplet), eingebettet in Schriftlesungen, Psalmen und Fürbitten.

Zu improvisierendem Orgelspiel (Präambel zum Invitatorium) ziehen Chor und Liturge in die sparsam beleuchtete Kirche ein. Nach dem Invitatorium erklingt der Psalm 150 „Halleluja! Laudate Dominum in sanctis eius“ von César Franck, gefolgt von der ersten Perikope aus dem Lukasevangelium; diese mündet im Lobgesang Mariens, dem „Magnificat“, das anschließend in der Vertonung von Charles V. Stanford (op. 115) von Chor und Orgel musikalisch gedeutet wird. Der zweite Abschnitt des Lukas-Evangeliums endet mit dem „Benedictus“, dem Lobgesang des Zacharias. Dieses Canticum ist zwar Bestandteil der Laudes (Morgenlob), wurde hier aber trotzdem mit einbezogen, um über die Weihnachtsgeschichte nahtlos den Bogen zu spannen zum Lobgesang des Simeon (3. Perikope) anlässlich der Darstellung Jesu im Tempel (Charles V. Stanford, Nunc dimittis op. 115).

Die musikalische Andacht schließt nach Gebet und Segen mit dem gemeinsamen Lied „Bleib bei mir, Herr! Der Abend bricht herein“.

Die Anwesenden verharren stehend, während Chor und Liturge zu den Klängen der Orgel die Kirche verlassen.

Obwohl der Choral „Evensong“ stark geprägt ist von durchaus anspruchsvoller Chormusik, ist er doch in ers­ter Linie Gottesdienst. Eintrittsgebühren verbieten sich daher von selbst.


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