Emsdetten. Das Positive vorweg: „Die Leute hier vor Ort sind richtig gut im Gute-Sachen-Spenden“, lobt Tobias Wichmann vom Leitungsteam des KadeCa - dem sozialen Kaufhaus der Caritas am Spatzenweg - die Großzügigkeit der lokalen Spenderinnen und Spender.
Dennoch haben er sowie die anderen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen hier ein Problem: Immer häufiger werden Kisten und Säcke mit minderwertiger Kleidung, unbrauchbarem Hausrat oder anderen Dingen, die eigentlich ein Fall für die Entsorgung sind, einfach über Nacht vor der Tür des Kaufhauses abgestellt.
Das bindet nicht nur Arbeitskraft, es sorgt auch für enorme Kosten. Die Abfuhr des Mülls kostet Geld. Eine Ursache: Der Markt für Altkleider ist zusammengebrochen. Kleidercontainer gibt es immer weniger. „Aber mit verschmutzter, abgetragener und fehlerhafter Kleidung können wir nichts anfangen“, betont Tobias Wichmann. Mit anderen Worten: Diese Textilien gehören in die schwarze Tonne – und nicht ins Sozialkaufhaus. Wichmann: „Die These, dass wir froh über alles sind, ist schlichtweg falsch.“
Fünf Hauptamtliche, 25 Ehrenamtliche und noch mehr Menschen, die in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden, sind am Spatzenweg tätig. Letztere teils, weil sie vom Jobcenter geschickt werden, teils weil sie mit körperlichen und psychischen Einschränkungen zu kämpfen haben. Oder sie leisten Sozialstunden ab. Hier finden sie alle eine sinnvolle Tätigkeit und lernen dabei Struktur und Verantwortung. „Das ist Integration pur, wichtig und richtig“, sagt Guido Gehrmann, der Arbeit und Beschäftigung am Spatzenweg für den Caritasverband organisiert. Durch problematische Spenden werden sie indes vornehmlich zu Müllwerkern. Gehrmann: „ Das ist absolut nicht Sinn der Sache. Für Abfall haben wir kompetente Entsorger vor Ort.“
„Auch Menschen mit kleinem Budget haben Anspruch auf saubere, moderne und funktionierende Ware“, lenkt Tobias Wichmann den Blick auf den Verkauf. Die Auslagen und Kleiderständer im Kaufhaus geben ihm recht: Überaus gut sortiert warten hier sauber aufgereihte Textilien, Küchenutensilien, Tischware und Deko-Artikel auf Kundschaft. Spiele, Elektronik-Kleinartikel, Bücher, Jahreszeitliches wie Karnevalskostüme und Weihnachtsartikel unterstreichen den Charakter des Sozialladens als gut sortiertes Kaufhaus für Bedürftige.
Bis zu 100 Interessierte schlendern jeden Tag durch die Reihen, um sich günstig mit dem Nötigsten zu versorgen. Es handelt sich dabei nicht nur um Menschen, die in bitterer Not leben. Auch Studierende, Alleinerziehende und Kunden, die aus Nachhaltigkeits-Erwägungen lieber Recycling- als Neuware kaufen, werden hier freundlich bedient. Dass sich niemand übervorteilt, dafür sorgt das Personal im Verkauf seit Jahren zuverlässig.
Das Sozialkaufhaus stellt somit ein gut funktionierendes System dar, das aus Gebern, Mitarbeitenden und Bedürftigen besteht. Das droht nun durch – meist sogar gut gemeinte – problematische Spenden aus dem Gleichgewicht zu geraten. Zwar muss hier kein Profit erwirtschaftet werden, aber die Caritas hat in Anbetracht der Fülle ihrer Aufgaben ein Auge darauf, dass auch bei diesem sozialen Unternehmen am Ende eine Zahl steht, die der schwarzen Null nahekommt. Wichmann: „Nur bewusstes Spenden bedeutet echte Hilfe.“
Trotz aller Herausforderungen stellt auch Guido Gehrmann eines klar: „Ohne die große Hilfsbereitschaft in Emsdetten wäre das KadeCa nicht der Ort, an dem Solidarität und gelebte Nachhaltigkeit täglich zusammenkommen.“ Viele Menschen in der Stadt zeigten seit Jahren, dass es sinnvoll es ist, gut erhaltene Dinge weiterzugeben statt wegzuwerfen. Und genau diese Haltung mache das Sozialkaufhaus erst möglich.
Nur innerhalb der Öffnungszeiten Spenden abgeben, gerne vorsortiert. So kann eine erste Durchsicht hinterher viel Aufwand sparen. Kleidung sollte so sauber und intakt sein, dass man sie auch an Freunde und Familie weitergeben würde. Das gilt auch für Schuhpaare, egal ob für Freizeit oder Sport. Haushaltswaren sollten vollständig und funktionstüchtig sein. Einzelstücke sind oft unverkäuflich. Das gleiche gilt für Dinge, die länger im Keller, der Garage oder auf dem Dachboden gelagert wurden und entsprechend müffeln. Seit Jahren werden am Spatzenweg keine Möbel und Teppiche mehr angenommen, weil Kapazitäten und Platz fehlen. Das gilt auch für Kindermöbel, Kinderwagen, Kindersitze, Fahrräder oder Inlineskates, Röhrenfernseher und VHS Kassetten.
