Emsdetten. Psychische Erkrankungen kommen oft nicht allein. Häufig kämpfen Betroffene einer Depression oder Persönlichkeitsstörung gleichzeitig mit körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Tinnitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Folgen können sich gegenseitig verstärken und einen belastenden Kreislauf in Gang setzen.
„Psychische und körperliche Erkrankungen beeinflussen sich häufig wechselseitig“, erklärt Dr. Matthias Heyng, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie und Leiter der Institutsambulanz. „Wer beispielsweise unter starken Rückenschmerzen leidet, bewegt sich oft weniger, zieht sich aus sozialen Aktivitäten zurück und verliert wichtige positive Erlebnisse im Alltag. Das kann depressive Symptome verstärken. Umgekehrt verändert eine Depression die Wahrnehmung von Schmerzen und erschwert die aktive Bewältigung körperlicher Beschwerden. Die Patientinnen und Patienten geraten so leicht in einen Teufelskreis.“
Die neue Institutsambulanz ist mit ihrem multimodalen Angebot ganz neu und bisher einzigartig im Umkreis: „Was in der Psychiatrie seit vielen Jahren zum Beispiel für Menschen mit Psychosen oder Demenz etabliert ist, ist in der Psychosomatik noch eine echte Besonderheit“, sagt Heyng. „Wir bieten eine Behandlung, die deutlich einfacher zugänglich ist als eine stationäre Therapie und gleichzeitig die gesamte fachliche Kompetenz unserer Klinik einbezieht.“ Dabei arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng zusammen. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten entwickeln gemeinsam mit Fachkräften aus Pflege, Physiotherapie, Sozialarbeit sowie Kunst- und Bewegungstherapie individuelle Behandlungskonzepte. Heyng: „Wir schließen eine bisher bestehende Versorgungslücke zwischen ambulanter und stationärer Behandlung.“
Die Patientinnen und Patienten besuchen die Institutsambulanz in der Regel zweimal pro Woche. Bestandteil der Behandlung sind psychotherapeutische Einzelgespräche sowie ergänzende therapeutische Angebote. „Die Therapiepläne sind meist auf sechs Monate angelegt, können bei Bedarf jedoch verlängert werden“, so der Chefarzt.
Voraussetzung für die Behandlung ist eine fachärztliche Überweisung aus den Bereichen Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychiatrie und Ärztliche Psychotherapie. Eine Überweisung durch die Hausarztpraxen ist gesetzlich nicht vorgesehen.
