Da kommt was Rotes ins Rollen

Caritas-Einrichtungen bekommen neun Spezialräder von der „Aktion Mensch“. Foto: Caritas

Emsdetten

Emsdetten. Wind in den Haaren, ein Ziel vor Augen und Träume im Kopf: Radfahren ist gut für Körper und Seele. Die unterschiedlichen Wohnformen für Menschen mit Behinderung des Caritasverbandes Emsdetten-Greven freuen sich deshalb über neun verschiedene Spezialräder, die ihnen nun von der „Aktion Mensch“ finanziert wurden. 

Die Rollstuhl-Transporträder, Parallel-Tandems und Rollfietsen erlauben das begleitende Radfahren auf Straßen und Pättken. In ihrem leuchtendem Signalrot bereichern sie ab sofort das heimische Straßenbild.

Gut 180.000 Euro hat die größte private Förderorganisation für Menschen mit Einschränkungen in Deutschland im Rahmen des Programms „Mobil und unabhängig mit dem Rad“ dafür locker gemacht. „Ich bin bis heute sehr stolz darauf, dass alle unserer Anträge bewilligt wurden“, sagt Tobias Wichmann, der Leiter des Sozialkaufhauses. Mitte 2024 hatte die Aktion Mensch das Förderprogramm ausgeschrieben und Wichmann hatte Anträge für diverse Einrichtungen – also für die unterschiedlichen Wohn- und Hausgemeinschaften - gestellt. Alle wurden mit einem individuellen Konzept für elektrisch unterstützte Rad-Mobilität in Alltag und Freizeit versehen sowie mit einer klaren Strategie für Unterbringung und Betrieb der Spezialräder.

Die systematische Klarheit in Punkto Alltagsbetrieb bei den Caritas-Einrichtungen hat die Entscheider bei der „Aktion Mensch“ offenbar überzeugt. Sie beschieden bereits 2024 alle Anträge positiv. Sehr erfreulich - aber damit begann die eigentliche Arbeit der Umsetzung erst. „Wir haben Hersteller kontaktiert und dann natürlich sehr viele Fahrzeuge zusammen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern getestet“, berichtet Tobias Wichmann von unzähligen Probefahrten.

In der Wahl der Spezialräder ließ die „Aktion Mensch“ den Betreibern nämlich weitgehend freie Hand, damit sie optimal auf die Bedürfnisse der Nutzer*innen vor Ort abgestimmt sind. Auf dem Markt für Spezialräder gibt es viele Modelle, alle mit unterschiedlichen Ko9nzepten und Technik. Die Auswahl stellt folglich Eine überaus integrative Aufgabe. Und: alle machten mit.

Dann ging es in den Folgemonaten an die Schulungen von rund 80 Mitarbeitenden in den Einrichtungen. Sie mussten neben ihrem Job in Wohngruppen und Hausgemeinschaften lernen, wie sie die Spezialräder im Alltag sicher und zuverlässig auf die Straße bringen. „Straßen und Wege sind öffentlicher Raum, den wir mit allen anderen Fahrzeugen teilen“, sagt Tobias Wichmann, „da machen wir in Punkto Sicherheit keine Kompromisse.“

Zudem mussten Unterstellplätze geschaffen werden ebenso wie Zuständigkeiten und Regeln, die den sicheren Einsatz im Alltag langfristig garantieren. Helme, Westen, Zubehör für Rollstuhlfahrer – das alles wollte gut bedacht sein und hat alles in allem fast zwei Jahre in Anspruch genommen. Doch jetzt kann das inklusive Radfahren endlich losgehen. Bei der Wahl der Räder wurde darauf geachtet, dass die Menschen mit Einschränkungen möglichst aktiv am Radfahrerlebnis teilhaben.

„Sie sollen spüren, wie schön es ist, sich mit eigener Kraft fortzubewegen“, unterstreicht Tobias Wichmann. Bei den Probefahrten haben deshalb die Betreuenden immer wieder auch mal die Position der Klienten eingenommen, um zu merken wie sich das anfühlt, Teil einer mobilen Radgemeinschaft zu sein. Letztlich geht es darum, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auch auf diese Art spürbar zu machen. Und das ist ein gutes Gefühl - ebenso wie der Fahrtwind in den Haaren.


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