Intensive Arbeit mit der ganzen Familie nötig

Wie sehr sich die aktuelle Flüchtlingssituation auf das Leben an der Marienschule auswirkt, erfahren (v.l.) Gerhild Forsting (Koordinatorin Deutsch als Zielsprache) und Schulleiterin Erika Puls jeden Tag. Unterstützt werden sie von Caritas-Schulpsychologin Gunhild Ortmeier und dem zuständigen Fachbereichsleiter Detlef Eden. Foto: Caritas

Emsdetten

Emsdetten. Die aktuelle Flüchtlingssituation in Emsdetten bringt auch für die schulpsychologische Beratung des Caritasverbandes Emsdetten-Greven neue Herausforderungen mit sich.

 

„Um das Vertrauen von Kindern mit Fluchterfahrungen zu gewinnen, muss man die Familien mitnehmen. Das erfordert ein hohes Maß an Zeit und Kreativität“, sagt Gunhild Ortmeier.

Als Schulpsychologin des Caritasverbandes Emsdetten-Greven begleitet sie Schüler, Eltern und Lehrer aller weiterführenden Schulen der Stadt in schwierigen Lebenslagen. Mit dem Zustrom von Flüchtlingen nach Emsdetten hat sich ihr Aufgabengebiet erweitert.

Offensichtlich wird das zum Beispiel an der Marienschule in Emsdetten. Von den insgesamt 362 Schülern der Hauptschule haben nach Angaben von Schulleiterin Erika Puls mehr als 45 Prozent einen Migrationshintergrund. 59 von ihnen zählen zum Bereich „Deutsch als Zielsprache“ (DaZ), das heißt, sie sind erst unlängst aus ihren Herkunftsländern in unsere Region gekommen. „Mir ist es wichtig, dass diese Schüler mich von Anfang an kennenlernen und wissen, dass sie sich in Krisenzeiten an mich wenden können“, sagt die Schulpsychologin. Deshalb arbeitet sie eng mit Lehrerin Gerhild Forsting zusammen. Als sogenannte DaZ-Koordinatorin ist sie Ansprechpartnerin für Lehrer, Schüler, Eltern und Institutionen, wenn es um Flüchtlinge an der Schule geht.

„Wir hatten einen Fall in einer Auffangklasse, in dem ein Kind mit traumatischen Erlebnissen zu tun hatte“, sagt Gerhild Forsting. „Da braucht man viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen“, hat sie erlebt. Denn ein Schulsystem, das wie hierzulande partnerschaftlich mit Kindern und Eltern umgeht, war dem Kind vollkommen fremd. „Es hatte große Angst vor Repressionen und Schlägen“, sagt Gerhild Forsting. Um Vertrauen aufbauen zu können, mussten Eltern und Geschwis­ter in den Prozess eingebunden werden, ebenso ein Dolmetscher. Nur mit viel Kreativität konnte Gunhild Ortmeier eine psychologisch fundierte Diagnose stellen. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Detlef Eden, zuständiger Fachbereichsleiter des Caritasverbandes Emsdetten-Greven. „Wir müssen für Kinder mit Fluchterfahrungen ganz andere Settings herstellen, um ihnen helfen zu können“, sagt er. Im beschriebenen Fall lohnte sich der Einsatz. „Das Kind blüht hier richtig auf“, sagt Gerhild Forsting.

Um sich auf die Probleme von Kindern mit Fluchterfahrungen vorzubereiten, hat Schulpsychologin Gunhild Ortmeier spezielle Fachtagungen besucht. Außerdem hat sie ihr Netzwerk zu anderen unterstützenden Institutionen erweitert. So ist sie unter anderem mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Uniklinik Münster vernetzt. Dort wurde eine Spezialsprechstunde für Flüchtlingskinder, deren Familien und Bezugspersonen eingerichtet. Gunhild Ortmeier möchte in Informationsveranstaltungen Lehrer noch stärker für die Probleme traumatisierter Kinder sensibilisieren.

Für die wöchentlichen Präsenzzeiten der Psychologin an der Marienschule ist Schulleiterin Erika Puls sehr dankbar. „Der Beratungsbedarf bei Schülern, Eltern und Lehrern ist hoch, nicht nur bei Flüchtlingskindern“, sagt sie. Die an der Schule tätigen Sozialarbeiter könnten diese Arbeit nicht leisten. „Denn sie haben nicht die fachliche Ausbildung für eine psychologische Beratung“, so Erika Puls. Angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation sei es für alle an der Schule Tätigen eine große Herausforderung, allen Anforderungen gerecht zu werden. Denn der Bedarf einer schulpsychologischen Begleitung sei auch vorher schon vorhanden gewesen. Erika Puls: „Wir finden in diesem Angebot eine Professionalität, die wir gerne in Anspruch nehmen – und als Schule auch gerne abgeben.“ Auch Gerhild Forsting schätzt die Regelmäßigkeit, mit der die Schulpsychologische Beratung vor Ort ist. „Es ist für uns als Lehrer eine große Hilfe zu wissen, dann kommt Frau Ortmeier und dann können wir gemeinsam sehen, wie wir in dieser oder jener Sache weiter vorgehen können“, sagt sie.


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