Jubi steht vor einem Neustart

Bernd Hillebrand (Leiter der Evangelischen Jugendbildungsstätte Nordwalde), Annette Dellwig (Vorsitzende der Mitarbeitervertretung), Joachim Anicker (Superintendent des Ev. Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken) und Martin Rahmann (Geschäftsführer Agere Beratung) wollen die Jugendbildungsstätte Nordwalde in eine positive Zukunft führen. Das Konzept dafür stellten sie am Donnerstag in einem Pressegespräch vor – und es klingt vielversprechend. Foto: privat

Emsdetten

Nordwalde (at). Vor zweieinhalb Jahren stand die Jugendbildungsstätte vor dem Aus – sinkende Kirchensteuereinnahmen und damit die Sparpläne der Kirche machten deutlich, dass in wenigen Jahren keine Zuschüsse mehr zu erwarten sind. Doch nun konnte ein Konzept vorgestellt werden, welches die Jubi in die Zukunft führen soll.

Es war ein schwerer Schritt, aber er wurde gewagt: Der Verein für evangelische Jugendpflege als Träger der Jubi hat externe Berater mit ins Boot geholt. So steht die traditionsreiche Bildungseinrichtung mit ihren derzeit rund 30 Mitarbeitenden vor der Weiterentwicklung zu einer inklusiven Bildungsstätte mit professionellem Hotelmanagement weiterhin in evangelischer Trägerschaft. Hierfür konnte der Evangelische Kirchenkreis die Firmen Agere Beratung aus Erkrath sowie die Kirchner Unternehmensgruppe aus Telgte gewinnen. Gemeinsam unterstützen die Unternehmen aus der Hotellerie- und Immobilienbranche die Leitung des Hauses in wirtschaftlichen Fragen. Das Bildungshandeln verantwortet weiterhin der Trägerverein, ein Zusammenschluss des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken und seiner 20 Kirchengemeinden.

Geplant ist, die Auslastung des Gästehauses zu steigern. Aktuell gibt es 52 Zimmer mit 128 Betten bei 18.500 Übernachtungen im Jahr. Die Zahl der Übernachtungen soll auf etwa 19.500 Übernachtungen gesteigert, im Gegenzug Prozesse und Kosten optimiert werden. Martin Rahmann sieht in der Jubi ein gut aufgestelltes Haus, über dessen jährliche Auslastung „sich so manches Hotel die Finger lecken würde“. Darauf wird nun aufgebaut: Ein Teil der Gästezimmer wird renoviert, Prozesse unter anderem in der Küche optimiert. Dabei bleiben alle Mitarbeiter, die in den letzten zweieinhalb Jahren um ihren Job bangen mussten, mit im Boot. „Es wird niemand entlassen. Im Gegenteil – wir konnten bereits zwei weitere Kräfte einstellen“, betont Bernd Hillebrand. Martin Rahmann ergänzt: „Da Inklusion ein wichtiger Bestandteil ist, wollen wir zudem bereits Anfang des kommenden Jahres in der Küche ein bis zwei Inklusionskräfte einstellen.“ Annette Dellwig, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, betont: „Wir freuen uns, dass es für das Haus und damit auch für uns eine Zukunft gibt. Auch wenn sicher noch so manche Hürde überwunden werden muss.“

Doch die Chancen stehen gut, dass diese überwunden werden: „Es war wirklich schon 5 nach 12. Im Sommer war die Schließung des Hauses schon fast beschlossene Sache. Wir konnten zum Glück noch einmal Aufschub erkämpfen, und als wir im September unsere neuen Pläne vorstellten, standen alle dahinter.“ Bis Ende 2018, so der Plan, soll die Jubi komplett auf eigenen Beinen stehen. Ab 2020 gibt es keine Zuschüsse der Kirche mehr – spätestens dann muss das neue Konzept vollständig greifen. 180.000 Euro im Jahr muss die Jubi dann zusätzlich jährlich erwirtschaften – doch alle Beteiligten blicken positiv nach vorne: „Das werden wir schaffen!“


Anzeige