Leben im Kalten Krieg im Münsterland

Auch eine Bunkerbesichtigung stand auf dem Programm der Geschichtswerkstatt. Die Uni Münster hat diesen Bunker 2013 für eine Ausstellung genutzt.Foto: Gemeinde Saebeck

Emsdetten

Saerbeck. An Ideen, wie man den heutigen Bioener­giepark (BEP), der bis 2011 Munitionshauptdepot der Bundeswehr und damit militärisches Sperrgebiet war, als Geschichtsort des Ost-West-Konfliktes in das öffentliche Bewusstsein zurückrufen kann, herrscht kein Mangel. Gefüllt wurde der Ideenfundus bei der Geschichtswerkstatt, die jetzt im BEP stattfand. 

Unter der Überschrift „Leben im Kalten Krieg im Münsterland“ hatten die Arbeitsstelle Forschungstransfer der Uni Münster und die Gemeinde Saerbeck eingeladen. Gut 30 Teilnehmer brachten ihre eigenen Perspektiven ein: Saerbecker Bürger, die den Bau des Depots als Mitglied der Friedensbewegung erlebt hatten, waren ebenso dabei wie der ehemalige Depotkommandant Jürgen Schulze oder Oberstufenschüler der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule, die den Fall der Mauer aus dem Geschichtsbuch kennen. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Bürgermeis­ter Wilfried Roos und von Dr. Wilhelm Bauhus, dem Leiter der Arbeitsstelle Forschungstransfer der WWU Münster. Dr. Alexandra Bloch-Pfister führte in den historischen Kontext des Themas ein.

Bauhus erinnerte an die erfolgreiche Kooperation zwischen WWU und der Gemeinde Saerbeck: Die Universität hatte beim Tag der offenen Tür 2013 im BEP einen Bunker als Ausstellungsraum genutzt und war von Besuchern quasi „überrannt“ worden. An dieses große Interesse möchte man mit dem neuen Projekt gerne anknüpfen, in dem es um die Geschichte des Kalten Krieges, also der Ost-West-Konfrontation, im Münsterland gehen soll.

Schon in der ersten Runde des Kreativ-Workshops stellte sich heraus: Die Karte des Münsterlandes weist eine Vielzahl von Militäreinrichtungen und geheimnisvollen Orten auf: Flugplätze, Kasernen, Raketenstellungen, das A-1-Teilstück, das im Ernstfall zum Ausweichflugplatz des Militärs geworden wäre – und, mehr oder weniger in der geographischen Mitte, das Munitionshauptdepot in Saerbeck, der heutige BEP. Es gibt also einiges an historischem Stoff, der aufzuarbeiten ist und es gibt mit dem BEP einen Stelle, die dafür ideale Voraussetzungen mitbringt. Der Bioenergiepark könnte der zentrale Ort des Projektes werden: Hier könnte die Geschichte an his­torischem Schauplatz lebendig werden.

Voraussetzung: Die von der Arbeitsstelle Forschungstransfer beantragten Fördergelder fließen. Und: Die Ideen sprudeln weiterhin so fleißig und werden mit gleichem Elan umgesetzt. Der Kalte Krieg im Münsterland soll nämlich nicht nur aus der Sicht der Fachwissenschaft erforscht werden; gefragt ist auch und vor allem das Wissen der Betroffenen: Ihre Rolle als Zeitzeugen ist von großer Bedeutung, sie sollen aktiv mitarbeiten. Die Geschichtswerkstatt hat gezeigt, wie erfolgreich dieser so genannte Ansatz der Bürgerwissenschaft in Saerbeck werden könnte. Der Start war verheißungsvoll genug.


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