Jugendliche als Experten in eigener Sache fördern

Freuen sich, dass das Kesselhaus als eines von zehn Starterprojekten ausgewählt wurde (v.l.): Dr. Karl-Heinrich Sümmermann (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl), Christian Tophoff (Regionaldirektor Grevener Hauptstelle der Kreissparkasse Steinfurt), Natalie Schroll, Beate Tenhaken (Jugendamtsleiterin), Ole Müther und Sven Thiele (Abenteuerkiste). Foto: Tholl

Greven

Greven. Angebote für Jugendliche gibt es manche. Unterstützung bei der Umsetzung eigener Ideen von jungen Menschen ab 14 Jahren ist allenfalls die Ausnahme.

 

 

Der Verein Abenteuerkiste Greven e.V. geht genau diesen Weg: Die Jugendlichen sollen ihre eigenen Vorstellungen und Ideen entwickeln und gemeinsame Freizeit selbst gestalten. „Mit dem Konzept ‚Deine Idee – Dein Projekt – Dein Kesselhaus‘ ist die Abenteuerkiste eines von zehn Starterprojekten des Ehrenamtswettbewerbs WestfalenBeweger 2018/2019. „Hier werden die traditionellen Angebotsstrukturen der klassischen pädagogischen Jugendarbeit bewusst verlassen.

Die Lebenswelt der Betroffenen rückt auf unmittelbare Weise in den Mittelpunkt. Denn sie sind die besten Experten in eigener Sache und kommen aus einer Konsumenten- in eine Gestalterrolle“, lobt Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Vorstandsvorsitzender der ausrichtenden Stiftung Westfalen-Initiative den Ansatz. Er erläutert damit zugleich die Entscheidung der Jury, die das Vorhaben aus gut 60 Bewerbungen ausgewählt hat.

Der knapp 20 Jahre bestehende Verein Abenteuerkiste setzt mit seinen 120 Mitgliedern auf Innovation, Partizipation, Bildung, Vernetzung und Bedarfsorientierung, erläutert Vorstandsvorsitzender Sven Thiele. „Wir verschaffen Jugendlichen Raum – und das unter drei Aspekten: Erstens Raum zur Entfaltung eigener Vorstellungen, wie ihr Umfeld gestaltet sein soll. Zweitens Raum und Unterstützung zur Umsetzung der Ideen durch ein Tutorenprogramm.

Und drittens die Immobilie Kesselhaus als Raum zur Begegnung, für persönliche Treffen in offenen Treffs und Workshops sowie zur Verwirklichung von Projekten“, skizziert Thiele den umfassenden Ansatz. Koordiniert werden die Prozesse von einer pädagogischen Fachkraft.

Einiges los im Kesselhaus

„Das ermöglicht wahre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Jugendlichen werden ernst genommen und bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Ideen ohne inhaltliche Einflussnahme begleitet und im Bedarfsfall auch unterstützt. Das beeinflusst das Erscheinungsbild und soziale Miteinander in der Stadt“, verweist Christian Tophoff, Regionaldirektor aus der Grevener Hauptstelle der Kreissparkasse Steinfurt, auf spürbare Auswirkungen des Konzeptes. Er erklärt damit zugleich, warum das Geldinstitut sofort bereit war, das Projekt ebenfalls finanziell zu fördern.

Auch die Verantwortlichen im Rathaus freuen sich über die Aktivitäten: „Die Stadt ist stolz, dass die Abenteuerkiste mit dem Konzept neue Wege geht und das Kesselhaus belebt. Jugendliche als Experten in eigener Sache zu motivieren, sich für die Umsetzung von Projektideen einzusetzen, ergänzt sehr gut vorhandene Angebote von Jugendarbeit in Greven. Das Projekt ist zu recht als Leuchtturmprojekt ausgewählt worden, weil Jugendliche zeigen, dass sie sich bewegen, andere bewegen und dass alles viel Spaß macht“, sagt Jugendamtsleis­terin Beate Tenhaken.

Die Initiatoren der Abenteuerkiste haben sich viel vorgenommen. Sie wollen Tutoren qualifizieren, einen monatlichen Stammtisch etablieren, auf digitalen Kanälen wie Instagram und Facebook publizieren und erste Projekte realisieren. Damit erfüllt „Deine Idee – Dein Projekt – Dein Kesselhaus“ exemplarisch den neuen Modus des Wettbewerbs „WestfalenBeweger“, der nun zum sechsten Mal ausgetragen wird. Im Sinne eines „Qualifizierungsstipendiums“ wurden zehn tolle neue Ideen auf den Weg gebracht und mit einem Startgeld von jeweils 2.000 Euro ins Wettbewerbsjahr geschickt.

Die Westfalen-Initiative begleitet und unterstützt die ausgewählten Bewerber. Für die Realisierung des Konzeptes ist ein knappes Jahr Zeit. Dann vergibt die Jury in einer zweiten Wettbewerbsstufe weitere 15.000 Euro an die Preisträger.


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