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Tecklenburgs Stadtkern als Denkmal ausgezeichnet

Historische Ansicht von Tecklenburg mit Burgruine um 1803. Kolorierter Stich von Strack. Foto: lwl

Lengerich

Tecklenburg (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeichnete im Oktober gleich einen ganzen Stadtkern als Denkmal des Monats aus: Weil die Stadt Tecklenburg (Kreis Steinfurt) in einem Wettbewerb für einen geplanten Hotelneubau eine Lösung fand, die gleichzeitig dem großen Raumprogramm des Hotels genügt und die geschützten Sichtachsen des Denkmalbereiches berücksichtigt, haben die LWL-Denkmalpfleger die historische Altstadt Tecklenburgs als Denkmal des Monats ausgewählt, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Tecklenburg ist einer der wenigen Orte im Münsterland, die ihre historische Bebauung mit dem Stadtgrundriss erhalten konnten. Die Bebauung des Stadtkerns wird maßgeblich durch zahlreiche Fachwerkhäuser des 16. und 17. Jahrhunderts bestimmt“, sagt LWL-Denkmalpfleger Jürgen Reuter.

Von 1562 bis 1566 wurde die Stadtpfarrkirche errichtet. Diese prägt mit ihrem wuchtigen barocken Westturm ebenso wie die Burganlage und der Wierturm die Stadtsilhouette von Süden. Der Wierturm geht auf eine Idee des „Verschönerungsvereins“ aus dem Jahr 1884 zurück. Der Verein wollte das Burggelände mit dem Turmbau akzentuieren. Burgruine, Wierturm und der Stadtkern von Tecklenburg sind weit sichtbar. „Das Gesamtensemble bildet eine einzigartige Situation am Südhang des Teutoburger Waldes“, so Reuter.

„Die Denkmalbereichssatzung ‚Historischer Stadtkern Tecklenburg‘ schützt das Gesamtensemble sowie auch die Sichtachsen auf den Stadtkern und seine Silhouette. Damit sollen das Erscheinungsbild des Stadtkerns und seine Einbettung in die Topografie der Landschaft in ihrem Bestand gesichert werden“, erklärt Reuter.

Die seit Ende des 19. Jahrhunderts geführte Diskussion um die Errichtung eines Hotels am Südhang der Burgruine Tecklenburgs ist durch den geplanten Neubau eines Tagungshotels wieder aktuell geworden. Bereits 1882 gab es die Absicht, ein „Luft-Cur-Hotel“ auf dem südlichen Schlossberg zu errichten. Zunächst wurde jedoch 1901 aufgrund des zunehmenden Fremdenverkehrs der Grundstein für das Hotel „Kurhaus Burggraf“ am Standort der heutigen Kreisverwaltung gelegt.

Bereits 1960 war das ehemalige Hotel „Kurhaus Burggraf“ mit seinen wenigen Gästezimmern dem Ansturm der Feriengäste nicht mehr gewachsen. Darum sollte am gleichen Standort ein größeres Hotel errichtet werden. Doch dieser Standort stand nicht mehr zur Verfügung, da hier das neue Kreishaus geplant wurde. Deshalb wurde der neue „Burggraf“ ab 1962 unmittelbar unterhalb der Ruine der Burganlage gebaut. „Damit kam es bereits damals zu einer ersten optischen Störung der historischen Sichtbeziehung der Anlage von der Königstraße aus“, so Reuter.

Das 1964 eröffnete Hotel wurde bereits im Jahr 2001 wieder geschlossen. Seitdem gab es zahlreiche Planungen und Bemühungen, das Hotel Burggraf am Südhang der Burgruine zu reaktivieren. „Sie alle zeigen, dass die Revitalisierung des ehemaligen Hotels aufgrund des sensiblen Standortes innerhalb der geschützten Sichtbeziehung mit der Stadtansicht von Süden eine besondere städtebauliche und hochbauliche Herausforderung darstellt“, sagt Reuter.

Dieser Herausforderung stellte sich die Stadt im Jahr 2015 mit der Durchführung eines Wettbewerbs. „Der Entwurf des 1. Preisträgers zeigt, wie ein großes Raumprogramm sensibel in den Berghang unterhalb der historischen Altstadt und im Rahmen der Sichtbeziehung eingefügt werden kann“, so Reuter. „Wir Denkmalpfleger haben keine Bedenken gegen diese Planung. Aber was die Störung des Erscheinungsbildes des Denkmalbereichs ‚His­torischer Stadtkern Tecklenburg‘ betrifft, ist der Siegerentwurf für das neue Hotel an der Grenze des fachlich Vertretbaren angelangt.“


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