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Brücken bauen in der Teestube WeltWeit

Die zentral gelegene „Teestube WeltWeit“ in der Bahnhofstraße 52 soll regelmäßig die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen und zum kulturellen Austausch bieten. Foto: Bettina Stockhausen-Rolek

Lengerich

Lengerich (bsr). Die Integration von Flüchtlingen ist ein großes Thema. In Lengerich ist seit Mai dieses Jahres mit der Teestube WeltWeit eine feste Begegnungsstätte im Stadtgebiet geschaffen worden. Diese soll helfen, die Verhältnisse zwischen den Geflüchteten und der Zivilgesellschaft zu verbessern. Geöffnet ist die Teestube montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr. Helfer und Gäste sind herzlich willkommen.

„Mit dem Treffpunkt ist ein Ort entstanden, der die Begegnungen von Lengerichern und Flüchtlingen möglich macht“, freut sich Bärbel Rehder von der Stadt Lengerich, hauptverantwortlich für die Teestube. „Was mich besonders freut ist, dass wir hier erst einen klaren Männer­überschuss hatten, an Flüchtlingen und Asylbewerbern.“ Mittlerweile hat sich das geändert. Die Teestube ist nicht nur Männern vorbehalten. Für so manchen Mann arabischer Herkunft ist das wohl noch gewöhnungsbedürftig. „Von den arabischen Besuchern kam zu Anfang schon die Frage, ob wir das nicht trennen könnten, Männer und Frauen, aber wir haben ganz klar gesagt, wir sind hier in Deutschland, wo Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Wobei die jüngere Generation damit keine Probleme hat“, schmunzelt die engagierte Organisatorin.


In die Teestube kommen Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, es sind Kurden dabei, Menschen aus den Balkanstaaten, Bangladesch und aus Russland.

„Wir möchten nicht nur unter uns bleiben“

Die Flüchtlinge und Asylbewerber möchten nicht nur unter sich sein – ganz im Gegenteil. Sie kommen in die Teestube, um Kontakt zu Lengerichs Einwohnern zu knüpfen. Die Teestube WeltWeit soll helfen, Vorurteile und Vorbehalte abzubauen.

„Einige Lengericher schnuppern schon mal rein – aber es sollte schon noch mehr werden“, wünscht sich Stella Dorroch, Honorarkraft des WeltWeit. „Viele trauen sich auch nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Eis zwischen den Lengerichern und den Flüchtlingen ganz schnell bricht, wenn sie sich erstmal näher kennengelernt haben“, weiß die engagierte Honorarkraft.

„Die Flüchtlinge sind freundlich, dankbar und herzlich. Da kommt sehr viel zurück. Wenn man das erfahren hat, geht man einfach anders auf die Menschen zu und betrachtet die Dinge aus einer anderen Sicht“, ist Stella Dorroch überzeugt.

In der Teestube wird aber nicht nur Tee getrunken. Es werden zum Beispiel auch Sprachkurse abgehalten. Die Dozenten sind meist ehemalige Lehrkräfte. Außerdem steht freies WLAN zur Verfügung.

Rund 40 Gäste kommen täglich hierher. Besonders beliebt ist der Musiknachmittag am Freitag. „Da kann es durchaus passieren, dass sich eine Musikstunde sogar spontan zu einem kleinen Fest entwickelt,“ freut sich Stella Dorroch. Musik verbindet eben. „Wir haben mehrere Trommeln, eine Gitarre und einen Schellenkranz.“ Doch es fehle massiv an allen möglichen Instrumenten. Deswegen freue man sich sehr über Instrumentenspenden.

Ein immer wiederkehrendes Thema: die Anerkennung als Asylsuchender. In dem Gebäude der Teestube WeltWeit gibt es einen Klassenraum für Deutschunterricht, denn die Flüchtlinge und Asylsuchenden wollen schnell die deutsche Sprache lernen.

 

„Bärbel, wir brauchen ein Fahrrad!“

„Auf unserer Wunschliste stehen für die Fahrradwerkstatt in Hohne ein Bohrständer, ein Schraubstock und ein Kompressor. Und dann natürlich ehrenamtliche Helfer für die Fahrradwerkstatt, die sich bereit erklären, mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern zusammen die Fahrräder zu reparieren. Das ist das einzige Fortbewegungsmittel, womit die Menschen mobil sind“, bittet Bärbel Rehder die Lengericher um ihre Mithilfe.

Außerdem soll die Küche in der Begegnungsstätte ausgebaut werden. So könnten irgendwann vielleicht internationale Kochabende stattfinden. „Wir brauchen auch noch Mitstreiter für die Teestube. Es wäre schön, wenn es Leute gäbe, die hier ein bisschen Zeit verbringen möchten, vielleicht auch mal einen Tee aufgießen und mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen wollen. Tee, Kaffee und Wasser gibt es übrigens umsonst“, so Stella Dorroch.

Auch Bürgermeister Wilhelm Möhrke ist begeistert, was aus dem zuvor leerstehenden Gebäude geworden ist. Dank seiner Unterstützung konnte der Mietvertrag längerfristig gesichert werden. Seinerzeit hatten ehrenamtliche Handwerker das Haus in kürzester Zeit komplett renoviert – ein unglaublicher Einsatz.

Wer gerne in der Teestube WeltWeit ehrenamtlich mitarbeiten, sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren oder etwas spenden möchte, kann sich direkt an Bärbel Rehder wenden, Telefon 05481 / 33-223, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

In der Begegnungsstätte treffen sich Männer und Frauen. Für Kinder gibt es auf dem Gelände einen kleinen Spielplatz.

 


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