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So, Sep

Lernen Sie das Mauerhaus am Denkmaltag kennen!

Das Traufenhaus um 1908 mit zwei Generationen der Familie Brüning. Foto: privat

Rheine

Rheine (isr). Wussten Sie, dass im Mauerhaus an der Münstermauer 27 zu Beginn seiner Geschichte die Rheiner Stadtmusikanten wohnten? Dass es später eine kurze Zeitlang Weihbischof D‘Alhaus als Wohnsitz diente und dass es auch heute noch eine international einzigartige Viehtreppe besitzt?

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, sollten Sie dem Bauwerk, das der Verein „Historische Altstadt Rheine“ derzeit erforscht und restauriert, am kommenden Sonntag (8. September) einen Besuch abstatten. Zum Tag des offenen Denkmals bietet der Verein, der sich erst im Januar 2019 gegründet und schon über 60 Mitglieder hat und die alle Rheines Geschichte auch in Zukunft gegenwärtig machen wollen, von 10.30 bis 16.30 Uhr stündliche Führungen mit maximal je 12 Personen an – auf eigene Gefahr.

Denn das Haus ist eng, die Decken niedrig; Sie sollten also aufmerksam und gut zu Fuß sein. Auf diesem Rundgang erfahren Sie, dass im Haus Teile der alten Stadtmauer von zirka 1500 im Kellergeschoss zu sehen sind, dass über die Viehtreppe Ziegen und Schafe der Kleinbürger im 19. Jahrhundert geradewegs durch Haustür und Wohnräume zur tiefer gelegenen Böschung am Stadtgraben getrieben wurden und mehr über die Besonderheiten eines Mauerhauses, wovon nur noch ein weiteres Haus in Rheine exis­tiert. Der Photohistorische Arbeitskreis zeigt alte Fotos (1920 bis 1970) aus dem Viertel und Bilder von Hermann Willers verdeutlichen den Zustand des Hauses, bei Übernahme durch die Stadt.

Der bekannte Musiker Reidar Jensen spielt gemeinsam mit Rómer Avendano um 11 und 14 Uhr für das „Volk“ auf und das Kaffeehaus gestaltet den Platz vor dem Haus, sodass sich die Besucher gegen eine Spende für die Suppenküche mit kalten und warmen Getränken stärken können.

Dr. Peter Rohlmann vom Verein „His­torische Altstadt Rheine“: „Der Verein hat bisher schon über 10.000 Euro aufbringen müssen, um dieses einmalige historische Kleinod von Rheine aus seinem Dornröschen-Schlaf zu wecken. Nach dem Denkmaltag bleibt es für gut zwei Jahre geschlossen aufgrund der anstehenden Restaurierungs- und Forschungsarbeiten. Dass so ein Tag und eine Aktion ,Open House‘ stattfinden können, kommt nicht von ungefähr: Mein Dank gilt allen engagierten Vereinsmitgliedern, dem Photohistorischen Arbeitskreis, den Nachbarn und unseren Kooperationspartnern!“

Wer mehr über den Verein wissen möchte, bekommt Infos im neuen Flyer, den Sie am Tag des offenen Denkmals mitnehmen können. Aber auch auf Facebook und auf der Seite www.historische-alstadt-rheine.de gibt es weitere Infos zum Traufen- beziehungsweise Mauerhaus, zu allem, was bisher dort geschehen ist sowie regelmäßige Updates.

Übrigens: Stadtmusikanten nannte man früher die Türmer, die auf St. Dionys nach Feinden Ausschau hielten und bei Bedarf bliesen. Sie waren damals die einzigen Menschen, die das Privileg besaßen, auf Feierlichkeiten in der Stadt zu musizieren. Ein Türmer hat sich einst bitterlich bei der Stadt beschwert (und das ist belegt!): Er müsse ja im Turm wohnen und dort sei es zugig und kalt, weshalb er um sein Leben fürchte. Er verlange eine Wohnung, in der es wärmer sei. So wurde das Mauerhaus in der Münsterstraße 27 zum Stadtmusikantenhaus.


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