Sprache lernen mit Visier und Maske

An einen Sprachunterricht mit Maske und Visier hatte man sich im Sprachcafé Basilika-Forum bereits gewöhnt. Doch die in der Corona-Pandemie jetzt zusätzlich geforderten Abstandsregeln lassen ein verantwortungsvolles Arbeiten nicht mehr zu. Die Türen zum Sprachcafé im Basilika-Forum bleiben daher vorerst geschlossen. Foto: Bernd Weber

Rheine

Rheine. Seit März 2016 ist das Basilika-Forum an jedem Donnerstag ein beliebter Treffpunkt für Menschen mit Migrationshintergrund. Da die Familienbildungsstätte parallel zum ehrenamtlichen Engagement der Sprachhelfer eine Betreuung der Kinder bietet, sind es vor allem Frauen, die den Besuch des Sprachcafés für ihre Integration in die Gesellschaft nutzen.

Bei Kaffee und Plätzchen lassen sich darüber hinaus oft auch solche Fragen klären, die sich den Eltern beim Übergang ihrer Kinder vom Kindergarten in die Schule stellen. Dieser beliebte Treffpunkt fand jetzt natürlich auch Corona-bedingt erneut ein vorläufiges Ende. 

Bereits am 12. März, als die Corona-Pandemie in einer ersten Welle nahezu dem gesamten gesellschaftlichen Leben zusetzte, wurde das Basilika-Forum geschlossen und den integrationswilligen Menschen ihr „Zuhause“ genommen. Ende Mai 2020 wurde der Unmut über den fehlenden Treffpunkt lauter. Sowohl Sprachhelfer wie auch ihre Gäste suchten nach Möglichkeiten für einen Neustart. Intensiv beschäftigte man sich mit einem letztlich zwölf Punkte umfassendes Hygienekonzept, das auch die Billigung des Krisenstabes der Kreisverwaltung Steinfurt fand. Die Teilnehmerzahl im Sprachcafé wurde auf 35 Personen begrenzt. Deren Teilnahme musste eindeutig rückverfolgbar sein. Die bekannten AHA-Regelungen wurden beim Betreten der Räume eingehalten und die Anzahl der Kontakte auf das notwendigste Maß reduziert. Vor und während des Sprachcafés stellte man eine gute Durchlüftung der Räume sicher und auf Kaffee und Plätzchen wurde nach dem 12-Punkte-Plan gänzlich verzichtet. Zugleich einigte man sich auf das Tragen von Masken oder Visieren während der Sprachhilfe. Ungewohnt, ob des weiten Tischabstandes und der fehlenden Annehmlichkeiten wie Kaffee und Plätzchen startete das Sprachcafé am 27. August neu.

Und siehe da: Auch unter Corona-Bedingungen blieb es so beliebt wie eh und je. Beliebt und immer wieder neu sind auch die über die Sprachhilfe hinausgehenden Angebote zur besseren Integration. Vorträge von Ärzten, der Frauenberatungsstelle und der Wohnungsvermittlung gehören ebenso dazu, wie Besuche in Büchereien, Betrieben und Vereinen.

Seit Ende Januar 2020 bietet Alfred Marks Computerkurse für Menschen mit Migrationshintergrund an. Ermöglicht wurde das Angebot durch eine großzügige Spende der zahnärztlichen Basisgruppe Rheine, mit der eine Grundausstattung an Laptops gekauft werden konnte.

In dem ersten, leider auch von der Corona-Pandemie eingeschränkten Kurs lernten Frauen mit Migrationshintergrund den Aufbau und die Bestandteile eines PC sowie das Betriebssystem Windows 10 kennen. Der Schwerpunkt des Kurses lag allerdings bei der Textverarbeitung, der Tabellenkalkulation und der Präsentation aus dem Microsoft Office Paket. Alfred Marks ließ immer aber auch Informationen über das politische System der Bundesrepublik Deutschland in die zu verarbeitenden Texte einfließen.

Hilfen zur Nachbearbeitung eigener Fotos mit dem Bildbearbeitungsprogramm CIMP konnten die Teilnehmer direkt an eigenen Fotos einsetzen. Während der Schließung des Basilika-Forums in den Sommermonaten wurde der Kurs eingeschränkt, aber mit einigen Teilnehmerinnen per WhatsApp oder via Skype per Internet weitergeführt. Vier Teilnehmerinnen präsentierten am Ende des Seminars mit Hilfe des Power-Point-Programms ihre Herkunftsländer Moldawien, Ukraine, Russland und Syrien. Einige stellten sie zudem den Besuchern des Sprachcafés vor. Sechs Teilnehmerinnen erhielten am Ende eine Teilnehmerbescheinigung über den erfolgreichen Abschluss des Kurses. Ein weiterer PC-Kurs für Menschen mit Migrationshintergrund begann bereits am 9. September und soll bis zum Weihnachtsfest abgeschlossen werden.

All die Mühen um eine geregelte Sprachhilfe auch unter Corona-Bedingungen wurden jetzt mit den stark ansteigenden Inzidenzwerten und der sich daraus ergebenden Ausweisung der Stadt als Risikogebiet erneut gestoppt. Die durchgängig geforderten Abstandsregeln lassen sich in der Praxis der Sprachhilfe im Basilika-Forum nicht einhalten, sodass das ehrenamtliche Angebot der Sprachhelfer erneut eingestellt werden muss.

Noch sind die 18 ehrenamtlichen Sprachhelfer zuversichtlich, ihr Angebot zur Integration der zu uns gekommenen Menschen nach einem Abklingen der Infektionszahlen wieder aufleben lassen zu können.


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