Beeindruckender Vortrag zum Thema „Euthanasie“

Die Zuhörer lauschten gebannt und betroffen. Foto: Stadt

Rheine

Rheine. „Dass das Unkraut vernichtet werde...“ – so waren die beiden Vorträge in den Kaufmännischen Schulen Rheine überschrieben, denen Schüler, Lehrkräfte und auch Bürger der Stadt gleichermaßen interessiert, gebannt und betroffen lauschten.

 

Dr. Ute Hoffmann, die Leiterin der Euthanasiegedenkstätte in der Partnerstadt Bernburg, war einmal mehr auf Einladung des Städtepartnerschaftsvereins nach Rheine gekommen, um die Zuhörer mit der perfiden nationalsozialistischen Gesundheits- und Rassenpolitik vertraut zu machen, in deren Verlauf Tausende kranke, behinderte, alte oder sozial auffällige Menschen zwangssterilisiert, verstümmelt und ermordet wurden.
Die Partnerstadt Bernburg war während der Nazizeit Standort einer von insgesamt sechs Gas-Mordanstalten, in deren Gaskammer mehr als 14.000 Menschen ermordet wurden. Insgesamt fanden über 70.000 Menschen in diesen Anstalten in Deutschland und Österreich den gewaltsamen Tod. Das hier erworbene „technische Know-how“ lieferte dann die Blaupause für die später einsetzende systematische Vernichtung der Juden in den Gaskammern der Konzentrationslager. Es war Dr. Hoffmanns Verdienst, das Kapitel „Euthanasie“ nicht als etwas darzustellen, das in der NS-Zeit etwa vom Himmel gefallen sei. Vielmehr lagen die Wurzeln bereits in der Kaiserzeit – in den Arbeiten verschiedener Autoren wie Fritz Lenz, der empfahl, das „untüchtigste Drittel der Bevölkerung zu sterilisieren“, oder Karl Binding und Alfred Hoche, die 1920 ein Werk publizierten, das den zynischen Titel „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens – Ihr Maß und ihre Form“, trug.

Nicht nur als publizistische Wegbereiter, auch in der praktischen Umsetzung dieser Politik waren viele der Haupttäter Psychiater, Ärzte und Juristen, die auch nach dem Ende des Krieges zumeist unbehindert und angstfrei ihrer Arbeit in unserem Land nachgehen konnten. Schließlich wurde auch mit dem Märchen gründlich aufgeräumt, dass, wer sich geweigert hätte, in diesen Anstalten seine Pflicht zu tun, schließlich ins KZ gekommen wäre. In den Vernehmungsprotokollen der ehemaligen Bediensteten aus den 60er Jahren wurde nur ein einziges Mal diese Angst geäußert.

Mit dem Resümee, „Es braucht immer ein ganzes Volk, das mitmacht, ein System trägt, oder auch nur duldet!“, und dem Appell, „Es liegt an uns, wie der Staat funktioniert!“, endete ein Vortrag, der jedem unter die Haut ging und die Zuhörer in der Gewissheit entließ, dass dergleichen nie wieder geschehen darf.


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