Tanz auf dem Vulkan

Die Spannung zwischen dem Genießen der musikalischen Ohrwürmer, dem Lachen über die (irr)witzigen Texte und der Nachdenklichkeit über die Schicksale der Künstler ist das Konzept dieses Theaterabends. Foto: privat

Rheine

Rheine. Vergnüglich, aber auch nachdenklich verspricht der Donnerstag (10. Dezember) zu werden, denn dann gastiert die Musikbühne Mannheim mit der musikalischen Revue „Tanz auf dem Vulkan“ um 19.30 Uhr in der Stadthalle Rheine im Rahmen des städtischen Theaterprogramms.

 

Paillettenkleid, Federboa, Seidenstrümpfe, Bubikopf und Glockenhut waren die unverwechselbaren Mode-Utensilien der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Das waren die Jahre 1924 bis 1929, in denen sich Deutschland nach dem Schock des Ersten Weltkrieges und der Inflation wirtschaftlich wieder zu erholen begann. Die politische Wirklichkeit der Weimarer Republik war grau, doch Kunst und Kultur entfalteten sich frei von Zensur in Deutschland – sie erlebten einen rasanten Aufschwung. Kultur wurde massentauglich. Untrennbar mit den kulturellen Errungenschaften dieser Zeit verbunden sind Musik, Tanzvergnügen und Kinobesuch. Das Motto einer ganzen Generation lautete; „Man lebt nur so kurze Zeit und ist so lange tot.“ Die Unterhaltungsmusik boomte. Besonders in Berlin schossen Theater, Varietés und Kabaretts wie Pilze aus der Erde. Operetten, Chansons, Revuen, Couplets und Schlager wurden in einer Anzahl wie noch nie geschrieben.

Aber es war ein Tanz auf dem Vulkan, ein letztes Aufbäumen vor der Katastrophe. Nach der Machtergreifung durch die Nazis galten die Werke der Komponisten und Texter wie Paul Abraham, Emmerich Kalman, Leo Fall, Kurt Weill, Victor Leon und Kurt Tucholsky als entartete Kunst, weil ihre Schöpfer Juden waren oder auch, weil sie mit ihren Texten dem Nationalsozialismus mit hintergründigem Humor und unverhohlener Kritik entgegentraten. „Die Rheinpfalz“ schrieb zu dieser Aufführung: „Frech, witzig, frivol und vor allem extrem unterhaltsam präsentierte sich das Programm. Die erstklassig vorgetragenen Lieder versprühten Liebe, Leidenschaft und die pure Lust am Leben.“ Karten können unter www.stadttheaterrheine.de oder beim Kulturservice der Stadt Rheine unter Telefon 05971 / 939-350, -352 oder -353 sowie bei der Stadthalle bestellt werden.


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