Von Rheine nach Riga: Jugendliche auf den Spuren des Holocausts

Die Gruppe formulierte am Strand von Jurmala auch Ideen, was man aus der Fahrt lernen könnte. Foto: Jugend- und Familiendienst

Rheine

Rheine/Riga. Vierzehn Jugendliche aus Rheine und Umgebung machten sich zusammen mit Dirk Holtmann (Stadtjugendring Rheine e.V.) und Uta Schwarz (Jugend- und Familiendienst e.V.) auf den Weg in die lettische Hauptstadt Riga. Auf der Jugendbildungsfahrt ging die Gruppe den Spuren des Nationalsozialismus nach.

Warum ausgerechnet Riga? Vom November 1941 bis zum Winter 1942 wurden aus dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches in 33 Transporten mehr als 25.000 Juden nach Riga deportiert. Auch Juden aus dem Münsterland waren in großer Zahl hierher verschleppt worden.

Begleitet wurde die Jugendgruppe vom Rheinenser Historiker André Schaper. Zusammen recherchierte man zu Biografien von Bürgerinnen und Bürgern aus Rheine, die 1941 und 1942 nach Riga deportiert worden waren. Wenige überlebten den Holocaust. „Die Recherche zu Schicksalen von Menschen, die auch aus Rheine kamen, war nicht nur interessant, sondern auch sehr tragisch. Man bekommt eine andere Verbindung zu dieser Person. Den vielen Toten werden wieder Name und Gesicht gegeben“, berichtete eine Teilnehmerin der Jugendbildungsfahrt. Die Biografien wurden von den Jugendlichen an den vielen historischen Orten vorgestellt, die sie als Gruppe besuchten. Besonders nah ging es zwei Teilnehmerinnen, als sie im Wald von Bikernieki die Biografien von Margarethe de Beer und ihrer Tochter Ilse vorstellten, die hier wahrscheinlich ermordet und in einem der Massengräber liegen; zwei von insgesamt 15.000 Menschen, die hier Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes wurden. Da Rheine seit 2015 Mitglied des Riga-Komitees ist, liegt an der Gedenkstätte in Bikernieki auch eine polierte Gedenkplatte mit dem Namenszug der Stadt. Hier legten die jungen Menschen einen Stein ab – wie es beim Besuch eines jüdischen Friedhofs als ritueller Brauch üblich ist.

Die Jugendlichen besuchten ebenfalls die Gedenkstätten im Wald von Rumbula, den Deportationsbahnhof Skirotava, das Lager Salaspils sowie die Gedenkstätte des Ghettos Riga. Bei einer Stadtführung durch das historische Riga bemerkten sie, dass man in der schönen, alten Hansestadt an der Ostsee viele deutsche Spuren finden kann.

Im Fokus der Jugendbildungsfahrt stand allerdings nicht nur die Vergangenheit. Getreu dem Motto „Aus der Geschichte für die Zukunft lernen“ formulierten die Jugendlichen am Strand von Jurmala eigene Ideen, was man von der Fahrt mitnehmen und lernen könne. Schnell war man sich einig: Das darf nie wieder passieren und man muss heute früher einschreiten, um rechtsextreme und antidemokratische Tendenzen auszubremsen.

Als sie wieder in Deutschland ankamen, war mancher Koffer gepackt mit Souvenirs und mancher Kopf reicher um viele Erfahrungen und Gedanken: Nie wieder ist jetzt!

 


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