Rheine. Am Dienstag (2. Februar) um 19.30 Uhr führt das Westfälische Landestheater in der Stadthalle im Rahmen des Rings B wohl eines der äußerst skurrilen Romane der Weltliteratur auf – „Der Prozess“ von Franz Kafka.
Hier geschieht etwas Ungeheuerliches: Josef K., verhaftet an seinem 30. Geburtstag, hetzt durch sein Leben im aussichtslosen Streben nach Rettung. Er eilt zum Gericht, in dem ihm niemand zuhört, er sucht Erklärungen, die ihm niemand geben will. Das Gericht ist eine autoritäre Macht mit unendlichen Hierarchien. K. begegnet unter anderem verunsicherten und verstörten Gerichtsangestellten, er hört vom „Auskunftgeber“, er trifft den „Prügler“, besucht den Gerichtsmaler Titorelli, der ihm den Unterschied zwischen der „scheinbaren Freisprechung“ und der „Verschleppung“ erklärt. Schließlich trifft er im Dom auf einen Priester, der ihm die berühmte Parabel „Vor dem Gesetz“ erzählt. Doch da ist es schon zu spät. Das Gericht ist das Reich der Willkür, das unter dem Schutz konstruierter Bürokratien entscheidet, wer nicht passt. An seinem 31. Geburtstag wird das Urteil verkündet...
Kafkas Text beschreibt eine anscheinend sinnentleerte Welt, die ihren eignen Regeln folgt. Wie auch immer man das Stück sehen mag, die darin thematisierte Übermacht eines Staatssystems gegenüber dem Individuum ist nach wie vor von höchster Aktualität. Der Text wird vom WLT so behandelt, dass seine zeitlose Relevanz anhand eines konkreten Kontextes verstehbar wird. Der türkischstämmige deutsche Schriftsteller Dogan Akhanh wird von Seiten der Türkei politisch verfolgt, die Anklagen und Prozesse haben in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Er selbst interpretiert sein Schicksal und die Geschichte des armenischen Volkes auf der Grundlage von Kafkas Roman.
„Der Prozess“ ist die obligatorische Vorgabe des Lehrplans Deutsch für das Abitur 2016 in NRW; zu dieser Aufführung wird deswegen keine Einführung angeboten. Karten können beim Kulturservice der Stadt Rheine unter 05971 / 939-350, -352 oder -353 oder unter www.stadttheaterrheine.de bestellt werden.
