Rheine. cpr. Als die fünf Kinder der Familie P. erwachsen wurden und das große Haus langsam stiller wurde, stand für die Eltern fest: Wir möchten unseren Platz teilen. Schon lange hatten sie den Wunsch, einem Kind ein Zuhause zu geben. „Wir wollten das immer schon, aber die Zimmer waren alle belegt“, erinnert sich die Familie mit einem Lächeln. Drei Jahre lang warteten sie und besuchten Schulungen, bis es endlich so weit war.
Kurz vor Weihnachten 2012 lernten sie V. kennen. Ein paar Monate später, am 28. März 2013, zog das damals zehnjährige Mädchen offiziell bei ihnen ein – und wurde ein Teil der Familie. Auch V. selbst durfte mitentscheiden, ob sie sich in dieser Familie ein neues Zuhause vorstellen konnte.
Der Start war nicht ohne Sorgen: Während des Prozesses erkrankte der Gastvater schwer an einer Hirnhautentzündung. Doch mit viel Unterstützung und Zuversicht wurde die Aufnahme möglich. „Es sollte einfach so sein“, sagt die Familie heute.
Aus dem schüchternen Mädchen von damals ist inzwischen eine junge Frau geworden, die erfolgreich im Beruf steht. V. arbeitet heute als Altenpflegehelferin – ein Beruf, in dem sie sich wohlfühlt und ihren Platz gefunden hat. Besonders bemerkenswert ist ihr Erfolg, denn V. lebt mit einer Lernbehinderung, was ihren beruflichen Weg umso beachtlicher macht.
Mit der Volljährigkeit änderten sich die Rahmenbedingungen: Aus der Pflegefamilie wurde eine Gastfamilie, begleitet durch das Angebot des Betreuten Wohnens in Familien. Der Übergang gelang nahtlos, sodass V. weiterhin in ihrem vertrauten Umfeld leben konnte.
Für die Gastfamilien gibt es klare Rahmenbedingungen: Sie erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung sowie Pauschalen für Unterkunft und Verpflegung. Zudem steht ihnen Urlaub zu, während die Besuchsperson in dieser Zeit eine andere Unterkunft nutzen kann. So entsteht ein Gleichgewicht aus Verlässlichkeit und Entlastung.
„Wir waren immer bestens begleitet – sowohl durch das Betreute Wohnen als auch durch den Pflegekinderdienst“, betont Familie P. rückblickend. Für sie bedeutet Gastfamilie zu sein nicht nur, einen Platz im Haus, sondern vor allem einen Platz im Herzen zu schenken.
