Begleiter statt Ersatzeltern gesucht

Rheine

Rheine (cpm). Pflegefamilien zu finden, ist nie leicht. 60 Kinder und Jugendliche konnten die Adoptions- und Pflegekinderdienste von Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen im vergangenen Jahr in der Diözese Münster vermitteln. Noch herausfordernder wird es bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

 

Nicht, weil sie schwieriger im Umgang wären, sondern weil wegen ihrer Fluchtgeschichte und anderer kultureller Hintergründe „besondere Anforderungen an die aufnehmenden Familien gestellt werden“, erklärt Maria Schütz von der Caritas Rheine. „Wir suchen keine Ersatzeltern, sondern Begleiter in die Selbstständigkeit und in die Integration.“

Interessierten Familien müsse klar sein, dass es in aller Regel ältere Jugendliche kurz vor der Selbstständigkeit seien, denen aber ein familiäres Umfeld noch gut täte, so Schütz. Rund 350 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben die Heime der Caritas in der Diözese aufgenommen. Für jeden einzelnen werde geklärt, welche Hilfe am geeignetsten sei.

Maria Schütz beschreibt dazu ein aktuelles Beispiel, das auch die speziellen Anforderungen an die Pflegefamilien verdeutlicht. Ein 15-jähriger Syrer, der mit seinem 19-jährigen Bruder geflüchtet ist, bräuchte noch die sichere Umgebung einer Familie. Sein Bruder könne auf Dauer nicht die Verantwortung für ihn übernehmen. Eine Gastfamilie müsse aber akzeptieren, dass er seinen jüngeren Bruder häufiger bei ihnen besuchen werde. Das Gastkind werde zudem weiter Kontakt zu den eigenen Eltern halten.

Im vergangenen Herbst habe es großes Interesse bei Familien gegeben, Flüchtlinge aufzunehmen. Allerdings, so Schütz, hätten sie dabei an jüngere Kinder gedacht. Derzeit gebe es kaum noch Anfragen. Maria Schütz ist jedoch sicher, dass die Suche nach Gastfamilien für die jungen Flüchtlinge weiterhin eine Aufgabe bleiben wird: „Denn sie kommen weiterhin – wenn auch in geringerer Zahl.“

In Rheine vermittelte die Caritas im vergangenen Jahr sieben Pflegekinder neu und betreute 98 in Pflegefamilien. Eine Gastfamilie für junge Flüchtlinge habe noch nicht vermittelt werden können, so Schütz.

Für die spezielle Vorbereitung der Gastfamilien haben sich die Dienste in einer Fortbildung des Diözesancaritasverbandes in neuen Themenfeldern kundig gemacht. Kulturelle Hintergründe, die traumatischen Erfahrungen und alle ausländerrechtlichen Fragen seien dabei die Hauptthemen. Unterstützung findet Schütz in Rheine durch eine „Kulturdolmetscherin“, die Sprache und Kultur kennt und vermitteln kann.


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