Immer mehr Städte verbieten Feuerwerk

Sollen Feuerwerke, wie sie alljährlich zu Silvester von jedermann abgebrannt werden dürfen, in Zukunft verboten werden? Foto: Andreas Weith / commons.wikimedia.org / CC BY-SA 4.0

Steinfurt

Kreis Steinfurt (hp). Es gibt eine Menge guter Gründe, die flächendeckende und für jedermann erlaubte Knallerei an Silvester zu beschränken oder sogar zu verbieten. Das legt zumindest eine Umfrage von YouGov nahe, ein international arbeitendes Markt- und Meinungsforschungsinstitut.

Demnach befürworten 60 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger ein Böllerverbot. Die Kritik an der Böllerei macht sich nicht nur an der Feinstabbelastung fest, die alljährlich an Silvester alle Grenzwerte geradezu pulverisiert und zumindest in Städten mit ohnehin schlechter Luft ein Grund wären, das Böllern zu beschränken. Mittlerweile haben 23 deutsche Großstädte aus diesem Grund ein Böllerverbot bereits erlassen. Auch Tierhalter wissen, wie sensibel und ängstlich ihre Hunde, Katzen und auch Vögel auf den in ihren Ohren infernalischen Lärm reagieren. Was meist gar nicht bedacht wird: Für die in Städten und in deren Umland lebenden Wildtiere bedeutet die Knallerei höchsten Stress, auf den sie mit Flucht und Panik reagieren.

Nicht zu vergessen sind die Tausenden Verletzten und immer wieder auch Tote, die das Böllern alljährlich fordert. Vor allem aus diesem Grund ist das Böllern bereits jetzt in vielen Großstädten stark beschränkt. In Dortmund darf zum Beispiel in Bereichen um den Hauptbahnhof, in der Katharinenstraße und Kampstraße sowie am Alten Markt nicht geböllert werden, um die zahlreichen dort feiernden Menschen nicht zu gefährden. Düsseldorf verbietet das Böllern in seiner Altstadt zwischen Flinger- und Ratinger Straße und zwischen Rheinufer und Heinrich-Heine-Allee. In Hamburg gilt ein Böller-verbot im Bereich der Binnenalster, in München in der Altstadt und der Fußgängerzone, in Berlin am Brandenburger Tor und in Teilen des Alex.

Es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit bis auch kleinere Städte nachziehen und zumindest auf Teilen ihres Stadtgebietes das Böllern untersagen. 

Was ist wo erlaubt?

Böllern in Steinfurt beschränkt?

Wobei genau genommen das Böllern auch in Steinfurt bereits beschränkt ist. Denn auch hier gilt laut einer Stellungnahme der Ordnungsbehörde die sogenannte „Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz“ (1. SprengV) – darin regelt der § 23, wo nicht geböllert werden darf. „Das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen ist verboten“, heißt es darin.

Der Begriff „pyrotechnische Gegenstände“ ist hierbei sehr weit gefasst und meint alles, was knallt und zischt, ganz gleich, ob auf dem Boden oder in der Luft. Was der Gesetzgeber mit „unmittelbarer Nähe“ in Metern gemeint hat, auch das hat er leider offen gelassen.

Sicher hatte er dabei nicht den Sicherheitsabstand für das Abbrennen von Feuerwerk im Sinn. Denn der ist bereits gesetzlich geregelt und beträgt 8 Meter für pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F2. Zu dieser Kategorie zählen all die Raketen, Fontänen, Vulkane, bengalischen Lichter, Knallkörper und Sonnen, die in den Tagen vor Silvester von Erwachsenen ab 18 Jahren erworben werden dürfen.

Gesetzliche Sicherheitsabstände zu gering?

Verantwortungsvolle Pyrotechniker halten 8 Meter allerdings in vielen Fällen für zu gering. Sie empfehlen mindestens 25 Meter Sicherheitsabstand, wenn ganze Feuerwerksbatterien der Kategorie F2 abgebrannt werden. Dem folgen mittlerweile auch einige Hersteller und empfehlen in den Gebrauchsanweisungen, mindestens 30 Meter Sicherheitsabstand beim Abbrennen ganzer Feuerwerke der Kategorie 2 einzuhalten.

Aber selbst 30 Meter sind erheblich zu wenig, wenn es zum Beispiel darum geht, beim Zünden einer Silvesterrakete ein besonders brandempfindliches Gebäude wie eine Kirche oder ein Fachwerkhaus nicht zu gefährden. Im Fall der im Gesetz genannten Krankenhäuser, Kinder- und Altersheimen steht der Aspekt des besonderen Ruhedürfnisses ihrer Bewohner im Vordergrund stehen. Auch hierbei dürfte beim Zünden von Böllern ein größerer Abstand gefragt sein. Oft genannt werden Distanzen zwischen 125 und 200 Metern, wobei sicher aber auch die Örtlichkeit eine Rolle spielt.

Pyrotechnik für den Tisch? Auch hier ist Vorsicht geboten. Foto: Wikimedia / Malene Thyssen


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