Wenn die alte Aabrücke hätte erzählen können

Was hätte die alte Aabrücke aus ihrem Leben erzählen können, wenn sie denn gekonnt hätte? Fotos: Heribert Schwarthoff

Steinfurt

In Steinfurt-Borghorst wurde die Aabrücke in Wilmsberg abgerissen und eine neue wird zur Zeit gebaut. Wenn die alte Brücke reden könnte, hätte sie über die vergangenen zig Jahrzehnte viel Interessantes erzählen können.

Die Brücke diente nicht nur den Landwirten als Übergang über die Aa, sondern es war vor ihr ein Wehr befestigt, was die Höhe des Wasserstandes auf ungefähr 80 Zentimeter hielt, damit vor dem Stau konstant Wasser für die Bleicherei Wilmsberg abgepumpt werden konnte. 

Schnell war dadurch dort schon vor über 70 Jahren eine optimale Badestelle entstanden, da woanders durch die niedrige Wassertiefe der Aa und Pflanzenbewuchs dort kaum das Schwimmen möglich war. Hinzu kam einige Hundert Meter hinter dem Stau die Abwassereinleitung der Bleicherei Wilmsberg. Bunt schillerndes stinkendes schmutzig-giftiges Wasser mit Schaumbergen hatten dem Abwasserkanal den Namen „Stinkbirk“ eingebracht.

Direkt hinter dem Stau unter der Brücke war eine Betonplatte, die die Wassertiefe auf etwa zehn hielt und damit für Kleinstkinder ideal zum Spielen war. Größere Kinder versuchten hier auch erfolglos kleine Fische mit den Händen zu fangen. Für Kinder war einige Meter flussabwärts ein sandiger Grund mit etwa 40 Zentimetern Wassertiefe. Waren die Kinder so groß, das sie vor dem Stau stehend mit dem Kopf aus dem Wasser ragten, wurden zunächst Kopfsprünge geübt. Je nach Mut und Können zuerst direkt vom Staubrett. Die Steigerung war dann die höhere Brücke und für die ganz Mutigen die Stauhalterung über der Brücke. Bei diesen Aktivitäten stellte sich das Schwimmenkönnen von selber ein. Manche Kinder sahen ein Aufwärmen außerhalb des Wassers in der Sonne, als Zeitverschwendung an. Erst als sie nach einigen Stunden zitternd, frierend und blaugefroren die Aa verließen, schoben sie sogar auf dem Heimweg die Fahrräder, um nicht durch den Fahrtwind weiter auszukühlen.

Leider gab es auch Ärger mit einigen Landwirten, je nachdem wer zu der Zeit gerade die angrenzende Fläche an der Aa gepachtet hatte. Von den Badegästen platt gewälztes Gras, das für die Heuernte vorgesehen war, verärgerte die Bauern. Ein dichtes, verschlossenes mit Stacheldraht versehendes Tor am Eingang zur Wiese zwang die Badewilligen zu einem Umweg am Rande eines anderen Grundstückes und zum Lagern nur noch direkt an der Aaböschung.

Großen Zulauf erlebte die Badestelle in der freibadlosen Zeit in Borghorst in den Jahren vor 1964, als das Freibad Nünningsmühle in Dumte geschlossen war, das Städtische Freibad in Borghorst aber erst 1964 geöffnet wurde. Vereinzelt tauchte auch schon Mal ein Auto an der Aa auf.

Auch nach Öffnung des Freibades in Borghorst kamen noch nahe Bewohner und in der Landwirtschaft Tätige, besonders nach der abendlichen Schließung des Freibades, zum Baden in der Aa. Im Winter war die Aabrücke dann Treffpunkt, um Schlittschuh zu fahren und Hockey zu spielen.

Bei den Maßnahmen zur hindernisfreien Durchgängigkeit für Fische wurde das Wehr entfernt. In den früheren Jahren endete sogar für Radfahrer spätestens an der Aabrücke ein befahrbarer Weg. Auch gab es ein zeitweise auf der Aabrücke einen abgeschlossenen Schlagbaum. Nachdem die frühere Sackgasse vor dem Feld an der Aabrücke durchlässig gemacht wurde und eine Asphaltdecke für die Landwirte bis hinter der Aabrücke erstellt wurde, dem sich ein befestigter Radweg durch die anschließenden Waldungen mit Anschluss an weitere Wegenetze anschloss, ist die Aabrücke für Radfahrer und Hundehalter ein beliebtes Ziel geworden. Zuletzt waren sogar an der Brücke Liebesschlösser angeschlossen worden. Wegen der immer schwerer werdenden landwirschaftlichen Fahrzeuge muss jetzt die Brücke erneuert werden.

Die Aa wurde früher vor der Brücke aufgestaut. Hier befand sich ein beliebter Badeplatz.


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