Vom Widerstand gegen die Unmenschlichkeit

Kaj-Jürgen Dönneweg (Stadtbücherei, l.), Martina Furchert (Förderverein Stadtbücherei) und Dr. Peter Krevert (Kulturforum) laden zum 5. Steinfurter Autorentreff mit Barbara Stellbrink-Kesy ein. Die Berliner Autorin kommt am Mittwoch (16. Februar) ins Weinhaus. Foto: Drunkenmölle

Steinfurt

Steinfurt. Nach vier Jahren in Folge, in denen nur Männer das Wort hatten, gestaltet nun erstmals eine Frau den Steinfurter Autor(innen)treff.

Zur mittlerweile fünften Auflage dieser seit 2017 gemeinsam vom Kulturforum, der Stadtbücherei und dem Förderverein der Stadtbücherei getragenen Veranstaltung, kommt Barbara Stellbrink-Kesy am Mittwoch (16. Februar) ins Weinhaus. Die Berliner Schriftstellerin stellt dort ab 19 Uhr ihr Buch „Unerhörte Geschichte. Frei – aber verpönt“ vor. Damit rückt erstmals ein geschichtliches Thema in den Fokus dieser Reihe.

Stellbrink-Kesy, die zunächst als Pädagogin in West-Berliner Schulen tätig war und heute als Künstlerin und Kunsttherapeutin arbeitet, erzählt in ihrem, im Dezember 2020 erschienen Buch, die Geschichte ihrer Familie. Ein Haus in Westfalen, ein Päckchen Briefe, versteckt unter dem doppelten Boden eines Schrankes, eine Krankenakte im Archiv.

Diese überraschenden Fundstücke haben es ihr ermöglicht, die ver-schlungenen Lebenslinien der Geschwister Irmgard Heiss, geb. Stellbrink (1897-1944), und Karl Friedrich Stellbrink (1894-1943) nachzuzeichnen. „Ihre Geschichte hat gewirkt wie ein unterirdischer Fluss, der eines Tages hunderte von Kilometern entfernt wieder zutage tritt. Ich – wir alle – hatten im Schatten eines Familiengeheimnisses gelebt“, berichtet Stellbrink-Kesy davon, wie sie nicht mehr davon loslassen konnte, herauszufinden, warum ihre Tante Irmgard, diese 1944 scheinbar spurlos verschwundene Frau, bis fast zur Jahrhundertwende von der eigenen Familie verleugnet worden war.

Stellbrink-Kesy: „Es wurde deutlich, dass die Lebensfäden der Geschwister eng verwoben gewesen waren und die Hinwendung des Bruders zum Widerstand gegen das NS-Regime mit der Erfahrung der Nachstellungen durch die Rassenhygiene zu tun gehabt haben musste.“

Als sich Irmgard von ihrem Ehemann trennt und die Kinder allein durchbringen will, kreisen die Briefe der Eltern um die Frage: Ist diese Frau noch normal? Sie ist es nicht. 1933 gerät sie ins Fadenkreuz der NS-„Euthanasie“. Bruder Fritz, evangelischer Pastor und als einer der „vier Lübecker Märtyrer“ bekannt geworden, wurde mit dem Fallbeil im Sommer 1943 hingerichtet. Wie seine Mitstreiter hatte sich Fritz gegen den Allmachtsanspruch des damaligen Regimes aufgelehnt. Zum unauflösbaren Widerspruch zwischen dem christlichen Glauben und der rassistisch, atheistischen Ideologie der Nationalsozialisten konnten sie nicht länger schweigen. Stellbrink-Kesy erzählt so nicht nur vom Schicksal ihrer Verwandten, sondern auch von der Geschichte des Widerstandes gegen die Unmenschlichkeit.

„Das alles hat an Aktualität nichts verloren“, sind Dr. Peter Krevert, Kaj-Jürgen Dönneweg und Martina Furchert als Vertreter des Veranstaltertrios überzeugt, dass der Abend mit Stellbrink-Kesy dazu beitragen kann, aus der Vergangenheit zu lernen und Gegenwart besser zu gestalten. „Zugegeben“, räumt Dönneweg ein, „ein schwieriges Thema im Vergleich zu den vorangegangenen Autorentreffs“. Aber Stellbrink-Kesy mache Geschichte lebendig und greifbar und damit das Treffen so wertvoll.

Eintrittskarten sind für sieben Euro im Kulturforum, Telefon 0 25 51/1 48 20, in der Stadtbücherei, Telefon 0 25 51/92 56 00, oder in den Buchhandlungen Brümmer & Woltering in Burgsteinfurt, Telefon  0 25 51/29 45, sowie Büchereck am Markt in Borghorst, Telefon  0 25 52/22 54, erhältlich. Einlass nur für Besucher, die die 2G-plus-Regel befolgen.


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