Starkregen und Unwetter - Tipps für Betroffene

Auch Burgsteinfurt wurde am 14. Juli von Wassermassen heimgesucht. Foto: WN/rs

Recht & Rat

Kreis Steinfurt. Erst Laer und Ibbenbüren, jetzt Rheine und Burgsteinfurt – die Unwetter hinterlassen in diesem Jahr mit Starkregenereignissen auch im Kreis Steinfurt verheerende Spuren.

Was Geschädigte wissen sollten, verrät der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft:

• Sturm- und Hagelschäden am Haus übernimmt die Wohngebäudeversicherung. Ist auch der Hausrat beschädigt, kommt die Hausratversicherung für diese Schäden auf.
• Bei Schäden am Haus durch Starkregen zahlt die Wohngebäudeversicherung mit erweitertem Naturgefahrenschutz (Elementarschadenversicherung). Sie übernimmt das Abpumpen und die Trockenlegung und – falls nötig – auch die Kosten für den Abriss und Wiederaufbau des Hauses. Schäden durch Starkregen am Hausrat sind über die Hausratversicherung mit erweitertem Naturgefahrenschutz (Elementarschadenversicherung) gedeckt.
• Schäden am Auto, die durch Hagel, Sturm, Blitzeinschlag oder Überschwemmung entstanden sind, übernimmt die Teilkaskoversicherung. Ist das Blech verbeult oder die Scheiben kaputt, werden die Reparaturkosten in voller Höhe erstattet.

Was Versicherte jetzt tun sollten:

1. Informieren Sie Ihren Versicherer

Um zügig an das Geld zu kommen, sollten die Schäden so schnell wie möglich dem Versicherer gemeldet werden – noch bevor Aufträge an Handwerksbetriebe oder Kfz-Werkstätten vergeben werden. Mieter sollten sich im Schadenfall schnell an ihren Vermieter wenden.

2. Halten Sie Schäden gering

Nach einem Unwetter sollten Hausbesitzer dafür sorgen, dass der Schaden nicht noch größer wird: Zerstörte Fenster können provisorisch abgedichtet werden, um das weitere Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Herumliegende Gegenstände, wie abgebrochene Äste, Dachziegel oder Dachrinnen, sollten Hausbesitzer möglichst wegräumen.

3. Fotografieren Sie die Schäden

Der Schaden sollte möglichst anhand von Fotos dokumentiert werden. Auch Kaufbelege können in diesem Moment hilfreich sein. Diese Dokumente erleichtern in der Regel die Schadenregulierung durch die Versicherung.

Alte Verträge schützen nicht

Alte Gebäude- und Hausratpolicen sind meist lückenhaft: Wer einen zehn oder gar zwanzig Jahre alten Versicherungsvertrag hat, ist in der Regel nicht gegen Starkregen und Überschwemmung abgesichert, sondern nur bei Sturm, Blitz oder Hagel. Die Naturgefahren- oder Elementarschadenversicherung ist ein Zusatzbaustein in der Wohngebäude- und der Hausratversicherung. Bestehende Verträge lassen sich um diesen Schutz erweitern.

Unwetterrisiken per Mausklick checken

Immobilienbesitzer und Mieter können unter www.naturgefahren-check.de ganz leicht ihr individuelles Naturgefahrenrisiko ermitteln. Die Onlineplattform zeigt nach Eingabe der Postleitzahl, welche Schäden Unwetter in der Vergangenheit am eigenen Wohnort verursacht haben: Wie viele Gebäude im letzten Jahr in der Region betroffen waren, wie hoch die teuersten Schäden durch Starkregen, Sturm oder Hagel ausfielen und welche Hochwassergefahr besteht.

Unwetterschäden in der Steuererklärung

NRW. In vielen Fällen greifen Versicherungen und helfen, die Kosten für die Beseitigung dieser Schäden zu tragen. Wenn das nicht der Fall ist, können Steuerzahler in der Steuererklärung außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Ansetzbar sind die Kosten für Wiederbeschaffungen, Reparaturen, Entsorgung, Sachverständigengutachten und Darlehenszinsen. Allerdings setzt das Finanzamt eine „zumutbare Belastung“ als gegeben voraus. Diese hängt ab von der Zahl der Kinder, dem Familienstand und dem Gesamtbetrag der Einkünfte ab. Wenn Handwerker beauftragt werden, um entstandene Schäden an und in Haus und Wohnung zu beheben, können die Kosten teilweise als „haushaltsnahe Dienstleistungen“ geltend gemacht werden.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat zudem einen „Katastrophenerlass“ in Kraft gesetzt und hält die Finanzämter an, Bürgerinnen und Bürgern Steuern zu stunden und Vorauszahlungen herabzusetzen. Einzelheiten finden Interessierte auf
www.steuerzahler.de/nrw.


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