Erweiterung der Dünenlandschaft Bockholter Berge

Heide im Naturschutzgebiet Bockholter Berge Foto: Andreas Beulting

Ausflugsziele

Kreis Steinfurt. Im Rahmen des Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ beginnen Mitte Januar erste Arbeiten im Naturschutzgebiet Bockholter Berge. Die Maßnahmen erfolgen als Kooperation der Bezirksregierung Münster, des Landesbetriebs Wald und Holz NRW, dem Kreis Steinfurt, der NABU-Naturschutzstation Münsterland und der Biologischen Station Kreis Steinfurt.

Eine Info-Tafel wird mit Beginn der Arbeiten vor Ort über die geplanten Maßnahmen informieren.

Das Naturschutzgebiet ist zusammen mit der benachbarten Emsaue als Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen worden und somit Teil des europaweiten Netzes von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten NATURA 2.000. In dem heute größtenteils bewaldeten Dünengebiet befindet sich eine der letzten Wacholderheiden entlang der Ems.

Offene, also waldfreie, Binnendünen mit Sandtrockenrasen und Heidevegetation zählen zu den besonders unter Schutz stehenden Lebensraumtypen (LRT 2.310 und 2.330) der Europäischen Union. Viele der hier lebenden Tier- und Pflanzenarten sind als „Sandspezialisten“ selten und gefährdet – einige, wie beispielsweise die Zauneidechse, sind über die FFH-Richtlinie ebenfalls geschützt.

Die in der atlantischen Region und vor allem auch im Müns­terland ehemals großflächig verbreiteten Sandheiden und Sandtrockenrasen sind inzwischen bis auf wenige Reste verschwunden und ihr Erhaltungszustand wird insgesamt als schlecht bewertet. Daher sind Maßnahmen zur Sicherung der letzten Vorkommen und die gezielte Förderung dieser Lebensräume mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna von nationaler Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund sind in den Bockholter Bergen, angrenzend an die vorhandenen Heideflächen, umfangreiche Maßnahmen zur Wiederherstellung unbewaldeter Dünen mit offenen Sandflächen ge­plant. Mitte Januar 2021 wird auf einer Gesamtfläche von etwa 1,5 Hektar zunächst der Kiefernforst entnommen. Alte und prägende Bäume bleiben dabei erhalten. Anschließend wird der oberste humose Boden abgetragen, um nährstoffarmen Sandboden zu erhalten, auf dem sich Heide und Sandtrockenrasen entwickeln können. Die Entscheidung zur Waldumwandlung erfolgt wegen der besonderen naturschutzfachlichen Zielsetzung. Der Waldverlust wird in vollem Umfang durch Ersatzaufforstungen naturnaher Laubmischwälder im weiteren Umfeld ausgeglichen.

Auch wenn diese Eingriffe zunächst verständlicherweise sehr massiv wirken: Bereits im kommenden Jahr werden sich die freigestellten Flächen zu artenreichen Sandtrockenrasen und später dann in blühende Heidelandschaften entwickeln. Gut veranschaulicht wird dies auf den angrenzenden Flächen, die bereits 2010 auf vergleichbare Weise bearbeitet wurden. Heute weisen diese die angestrebte Heidelandschaft mit vielen seltenen Arten auf und tragen so zum besonderen Besuchererlebnis in den Bockholter Bergen bei.


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