Die Seele ist müde

Die EFL-Leitungen Dorothee Valk (Mitte, Rheine) und Ursula Frank-Lösing (Steinfurt, Emsdetten, Greven) sowie Michael Remke-Smeenk (Ibbenbüren, Lengerich) erleben den zweiten Lockdown in den Beratungsstellen anders als den ersten. Archivfoto: Bischöfliche Pressestelle / Niewöhner

Gesundheit

Kreis Steinfurt (pbm/gun). Der zweite Lockdown ist anders als der erste, da sind sich die Leitungen der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen (EFL) des Bistums Münster im Kreis Steinfurt einig.

Während im Frühjahr die Situation für alle neu war, ist durch die Länge der Pandemie „die Seele müde geworden“, erklärt Dorothee Valk, Leiterin der EFL-Beratungsstelle in Rheine, auch stellvertretend für Ursula Frank-Lösing (Steinfurt, Emsdetten, Greven) und Michael Remke-Smeenk (Ibbenbüren, Lengerich).

„Wir müssen gerade alle ein Paradoxon aushalten: Wenn Menschen sich in Gefahr befinden, suchen sie instinktiv Nähe und Gemeinschaft. Genau das ist aber jetzt schwierig und nur unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen möglich“, erklärt Dorothee Valk. Dieses Paradoxon wirke wie ein seelischer Knoten: „Und es hat Wirkung auf jeden: Corona verschärft die Gefühlslagen und Lebensthemen, die jeder mit sich trägt“, fügt die Expertin an. Ein ängstlicher Mensch habe vor den nicht sichtbaren Viren jetzt noch größere Angst. Wer unter innerer Anspannung stehe, dem falle es jetzt noch schwerer, sich zu regulieren, und gerate unter Umständen schneller aus der emotionalen Balance, auch weil viele Entlastungsmöglichkeiten wie Kontaktsportarten, Singen im Chor, Geselliges im Freundeskreis, Kunst- und Kulturveranstaltungen nicht stattfinden. „Wer depressiv ist, wird die Lage eher noch hoffnungsloser einschätzen“, weiß Dorothee Valk. Wer etwas Neues wagen wolle, brauche mehr Mut und Zuversicht, weil Handlungsoptionen sich im Lockdown verengten. „Kurzum: Dies alles führt zu einer seelischen Müdigkeit“, bringt es die EFL-Beraterin auf den Punkt.

Aber, hängt Ursula Frank-Lösing gleich an: „Menschen haben auch die Fähigkeit, sich anzupassen und kreativ mit der Krise umzugehen. Neue Ideen entwickeln sich unter einem gewissen Druck schneller.“ Es gebe beispielsweise eine größere Achtsamkeit und auch Dankbarkeit für menschliche Begegnungen. Vielen stellen sich die Frage: Was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Und ganz wichtig: Jeder könne immer wieder neu die Entscheidung treffen. Hier gelte es, Handlungsspielräume zu erkennen, auszuloten und sie beherzt umzusetzen.

Michael Remke-Smeenk verweist auf das „Blended Counseling“, das im ersten Lockdown in den Beratungsstellen eingeführt wurde. Was heißt: Es gibt Mischformen in der Beratung – Präsenztermine wechseln sich ab mit Telefongesprächen oder dem Schreiben im Chat. Durch das sichere digitale Portal „Beranet“ sind Videoberatungen möglich und gleichzeitig bleiben die vertraulichen Inhalte geschützt.

Im zweiten Lockdown, betonen die EFL-Leitungen aus dem Kreis Steinfurt, seien alle geübter im Umgang mit den digitalen Angeboten. Bei Vor-Ort-Terminen sei das konsequente Einhalten der Corona-Regeln Bedingung.

In der Paarberatung seien zwei Tendenzen festzustellen: Es sei insgesamt eine krisenhafte Situation mit vielen Belastungen wie Homeoffice, Quarantäne, Angst vor Ansteckung, soziale Isolierung, einerseits Angst um den Arbeitsplatz, andererseits mehr Arbeit für bestimmte Berufsgruppen. Vieles sei gerade für Familien eine Herausforderung. „Wenn Absprachen nicht funktionieren, führt dies zu großen Enttäuschungen“, weiß Dorothee Valk. Häufig fühlten sich Frauen mit Kindern allein gelassen: „Wo es ohnehin kriselte, da kocht jetzt die Auseinandersetzung hoch“, fügt die Expertin an. Und ergänzt: „Es gibt aber auch Paare und Familien, die jetzt mehr miteinander reden, die sich als gutes Team erleben und durch die Krise ihre Verbundenheit intensiver spüren.“

Die EFL-Leitungen haben einige Tipps, die in dieser Pandemie helfen können: gute Absprachen innerhalb der Partnerschaft und Familie, das Anerkennen und Danken für Dinge, die gut laufen, Freiräume schaffen, bewegen, joggen, spazieren gehen, krea­tiv bleiben. Ein Stichwort, auf das Dorothee Valk besonders hinweisen möchte: die Selbstfürsorge. Helfen könne dabei, schöne Dinge für die Zeit danach zu planen und diese in Telefonaten mit Freunden und der Familie ganz konkret zu besprechen.

Anmeldungen sind bei den EFL-Beratungsstellen unter 05971 / 96890, 02572 / 9419019, 02571 / 986581, 05451 / 500223 und 02551 / 864446 oder über www.ehefamilieleben.de möglich.


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