Osama Etro blickt heute positiv in die Zukunft

Osama Etro Foto: Jobcenter, Kreis Steinfurt

Karriere & Beruf

Kreis Steinfurt / Emsdetten. Osama Etro kommt gut gelaunt zum Gespräch. Ein junger Mann in Jeans und Holzfällerhemd. Seit April ist er für ein Unternehmen aus der Gesundheitsbranche in Ibbenbüren tätig. Er arbeitet dort als Pharmazeutisch-technischer Assistent im Labor.

Zu seinen Aufgaben gehören die Herstellung von ophthalmologischen Rezepturen für Augenfertigspritzen und anwendungsfertigen Zy­tostatika zur Behandlung von Krebserkrankungen.

Es ist seine erste Anstellung nach seiner Ausbildung. Im Moment sei er noch in der Einarbeitungsphase und nehme an firmeninternen Schulungen teil. „Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß und die Kollegen sind auch sehr freundlich“, ist Etro sichtlich zufrieden mit seiner Situation. Und er weiß: Es wird noch besser. Denn er hat sich verlobt. Die Eltern seiner großen Liebe haben ihnen ihren Segen gegeben.

Der 24-Jährige hat einen weiten Weg hinter sich. 2015 begann seine Reise. Gemeinsam mit zwei Schulfreunden floh er aus seiner Heimatstadt Aleppo. Dort herrscht Bürgerkrieg. Sein Bruder ist gestorben. Nach wochenlanger Flucht erreichten sie ihr Ziel – Deutschland. Zunächst kam Etro in einem kleinen Dorf bei Hannover unter. Anfang 2016 wurde er nach Emsdetten umquartiert. Die nächsten drei Monate verbrachte er in einer Sporthalle, bevor er mit neun anderen Flüchtlingen in ein Haus umziehen durfte.

Seitdem besteht der Kontakt zu Beate Steinhoff, seiner Arbeitsvermittlerin beim Jobcenter Kreis Steinfurt. Er nahm an einem Integrationskurs teil, in dem er die deutsche Sprache erlernte und Einblicke in die deutsche Rechtsordnung, Geschichte und Kultur erhielt. Die anschließende Sprachprüfung schloss er mit B1-Niveau ab. Beim Bildungsinstitut Münster vertiefte er seine Deutschkenntnisse und schaffte das B2-Niveau.
„Ich habe Osama Etro immer als sehr zielstrebig erlebt“, zeigt sich Steinhoff zufrieden mit seiner Entwicklung. Kein Wunder, hatte er doch immer ein weiteres Ziel vor Augen: „Ich wollte meine Freundin heiraten. Wir haben uns in der Schule kennengelernt. Doch zunächst haben ihre Eltern einer Hochzeit nicht zugestimmt, da wir zu jung waren und ich noch keinen Beruf hatte.“ Daher wollte Etro unbedingt etwas aus sich machen und es den Eltern seiner Freundin beweisen.

Im Sommer 2017 standen Etro und seine Freunde vor der Entscheidung:

Ausbildung oder Studium?

Seine beiden Freunde entschieden sich für ein Studium. „Einer studiert seitdem Medizin in Münster, der andere Informatik in Osnabrück“, so Etro. Auch er selbst habe sich zunächst für ein Lehramtsstudium in den Fächern Chemie und Englisch eingeschrieben. Er absolvierte gerade einen C1-Sprachkurs, als er einen Platz an der Städtischen Berufsfachschule für pharmazeutisch-technische Assistenten der Stadt Münster angeboten bekam. „Da habe ich sofort zugegriffen. Eine Ausbildung, verbunden mit der Möglichkeit, schnell auf eigenen Beinen zu stehen, erschien mir in meiner Situa­tion wesentlich attraktiver“, erläutert der junge Mann.

Besonders dankbar sei er Beate Steinhoff für diese Zeit: „Wenn es Probleme gab, konnte ich mich an sie wenden“, betont Etro. Unterstützung erhielt er auch von „Mittendrin“, einem Förderverein zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mit Sitz in Emsdetten. Der Verein half ihm beispielsweise bei der Finanzierung eines notwendigen Erste Hilfe-Lehrgangs für seine Ausbildung. „Diese kleinen finanziellen Hilfen waren sehr wertvoll, da Osama Etro sein monatliches Schulgeld allein aufbringen musste“, erläutert Steinhoff.

Es folgten zwei Jahre Unterricht an der Schule und ein anschließendes halbjähriges Praktikum in einer Apotheke in Münster. „Die Ausbildung ist anspruchsvoll und durchaus schwierig“, so Etro. Von anfangs 40 Schülern haben nur 28 ihre Ausbildung abgeschlossen. „Darunter er, Osama Etro“, sagt er mit Stolz in der Stimme. Direkt im Anschluss erhielt er die Zusage für die Stelle in Ibbenbüren. „Seitdem er dort seine Arbeit angetreten ist, ist er finanziell unabhängig und auf keinerlei staatliche Leistungen mehr angewiesen“, erläutert Steinhoff.

Dabei war nicht immer alles einfach. Seit fünf Jahren hat er weder seine Eltern noch seine beiden Schwestern gesehen. Sie leben wie seine Verlobte nach wie vor in Syrien. „Telefonieren oder Skypen ist nicht dasselbe wie ein persönliches Gespräch oder eine Umarmung“, so Etro. Sein Vater ist Bauingenieur, seine Mutter Lehrerin. „Früher haben sie gut verdient, doch heute reicht ihr Einkommen nicht mehr zum Leben aus“, erklärt Etro. Daher freue es ihn, dass er ihnen seit seiner Beschäftigung finanziell helfen kann. Wenn er in Deutschland seine Verlobte heiratet, werden seine Eltern und Schwestern nicht da sein, um mit ihnen zu feiern. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie sich irgendwann wieder in die Arme schließen werden. Schließlich ist bislang vieles gut gelaufen – trotz so mancher Hindernisse.


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