57 Prozent in NRW wollen im Homeoffice bleiben

Das Homeoffice kann zu einer Erfolgsgeschichte werden: Höhere Produktivität, Zeitgewinn und eine bessere Work-Life-Balance begeis­tern Arbeitnehmer. Foto: iStock/Katalin

Karriere & Beruf

NRW. Fast die Hälfte der Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen war während der zweiten Corona-Welle im Februar 2021 im Homeoffice – bei hoher Arbeitszufriedenheit und Produktivität. Verglichen mit dem Stand vor der Pandemie, ist das eine Verdreifachung beim regelmäßigen oder täglichen Homeoffice.

Es ist bemerkenswert, dass viele nicht zurück ins Büro wollen – zumindest nicht komplett. 57 Prozent können sich vorstellen, in Zukunft mindestens die Hälfte ihrer Zeit von zu Hause aus zu arbeiten. Das zeigen Daten aus der Homeoffice-Studie der DAK-Gesundheit mit repräsentativen Befragungen vor und während der Corona-Krise. Es die einzige Vorher-Nachher-Messung zu Digitalisierung und Homeoffice für Nordrhein-Westfalen.

„Das Homeoffice hat sich in der Arbeitswelt etabliert und kann zu einer Erfolgsgeschichte werden“, sagt Klaus Overdiek, Leiter der Landesvertretung der DAK-Gesundheit in Nordrhein-Westfalen. „Das funktioniert – wie wir sehen – auch ohne gesetzliche Verpflichtung.“ Den großen Schub habe das Homeoffice bereits in der ersten Pandemie-Welle erfahren, lange bevor die Corona-Arbeitsschutzverordnung im Januar 2021 in Kraft trat, so Overdiek.

Für die Homeoffice-Studie wurde im Februar 2021 eine für NRW repräsentative Stichprobe von 1.000 erwerbstätige Menschen befragt, von denen 690 bereits bei Erhebungen im April/Mai 2020 und im Dezember 2019 dabei waren. Vor der Pandemie waren in NRW nur 15 Prozent mehrmals pro Woche im Homeoffice. Doch in der ersten Corona-Welle hat sich ihr Anteil verdreifacht: Im April und Mai 2020 war fast jeder Zweite regelmäßig von zu Hause aus tätig. Vor der dritten Pandemie-Welle ändert sich trotz Homeoffice-Pflicht kaum noch etwas.

Nach ihren Wünschen befragt, will fast die Hälfte der Beschäftigten mit Homeoffice-Erfahrung (47 Prozent) auch in Zukunft mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Homeoffice arbeiten. Hinzu kommen 10 Prozent, die fast gar nicht mehr ins Büro möchten. „Das Homeoffice ist mittlerweile bei den Arbeitnehmern fest etabliert. Sie haben gemerkt, wie gut es sich in den eigenen vier Wänden arbeiten lässt“, so Overdiek.

Auch nach Monaten zu Hause sind Männer und Frauen in NRW mit diesem Modell weiterhin sehr zufrieden: Sechs von zehn empfinden sich sogar als produktiver und nehmen die Arbeit angenehmer wahr als im Büro. Was die Beschäftigten vor allem schätzen, ist der Zeitgewinn, weil der Weg zur Arbeit wegfällt (74 Prozent). Die Aufgaben lassen sich auch gezielter über den Tag verteilen (63 Prozent) und sehr viele können Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren (85 Prozent).

Insgesamt haben die Menschen in NRW mittlerweile viel digitale Erfahrung gesammelt und besitzen nach eigener Einschätzung mehrheitlich eine gute Kompetenz für das Homeoffice. Sie geben ihrem Arbeitstag eine klare Zeitstruktur, legen Beginn und Arbeitsende klar fest, richten sich Pausen ein und halten virtuell persönlichen Kontakt mit ihrem Team. Allerdings zeigt die Studie auch, dass eine Minderheit von 5 Prozent über keine einzige der genannten Strategien verfügt. Auch wenn parallel zur Homearbeit Kinder zu betreuen sind, ist es für die Betroffenen schwerer. 46 Prozent der Beschäftigten mit Kindern unter 18 Jahren sagen, sie seien häufig abgelenkt. Zudem bekommt die große Mehrheit von ihrer Firma nur einen Laptop und hat deshalb daheim eine ergonomisch unzureichende Ausstattung.

„Homeoffice hat in der Pandemie viele Vorteile. Doch unsere Studie zeigt auch ernsthafte Gesundheitsrisiken für die Beschäftigten“, sagt Klaus Overdiek. „Häufig verstärkt sich ein ungesunder Lebensstil. Das Homeoffice macht viele Menschen zu Bewegungsmuffeln.“ Die Folge seien Gewichtszunahme und mehr Rückenbeschwerden. Zusätzlich steige das Risiko für chronische Erkrankungen. In der Studie der DAK-Gesundheit sagen 73 Prozent der Befragten, dass sie sich im Homeoffice weniger bewegen als vor der Pandemie – darunter sind 48 Prozent mit sogar „deutlich weniger Bewegung“. Bei etwa der Hälfte (54 Prozent) fehlt allein schon der Fuß- oder Radweg zur Arbeit. Bedingt durch die Pandemie seien auch Einkäufe und Besuche im privaten Umfeld seltener. 32 Prozent berichten, dass Alltagsaktivitäten wie Spazierengehen, Haus- und Gartenarbeit oder Treppensteigen weniger werden. Auf die Frage nach Strategien, um den Bewegungsmangel auszugleichen, gibt nur etwa jeder und jede Zweite an, regelmäßig bewusst das Sitzen zu unterbrechen. „Da viele Beschäftigte auch nach Corona weniger im Büro arbeiten werden, müssen wir einen stärkeren Fokus auf die Gesundheit im Homeoffice legen“, fordert Overdiek. Für Beschäftigte sei wichtig, auch im persönlichen Bereich zu prüfen, wie sich der Tagesablauf aktiver gestalten lässt.

Die DAK-Gesundheit hat ihr Online-Angebot zur betrieblichen Gesundheitsförderung deshalb erweitert. Sie bietet Online-Workshops und -Schulungen an, die gesundes Arbeiten im Homeoffice unterstützen. Ein Teil der Angebote ist für Versicherte aller Krankenkassen kostenfrei zugänglich. Weitere Informationen zum Homeoffice und zum Service der Kasse unter www.dak.de/homeoffice.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat Arbeitgebern empfohlen, das Homeoffice-Angebot, wenn möglich, weiterzuführen. Die Gefahr sei nicht gebannt. Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, fordert einen Rechtsanspruch auf Homeoffice oder mobiles Arbeiten, einen angemessenen Arbeitsschutz, „eine ordentliche Ausstattung“ und weitere Schritte hin zu mehr Mitbestimmung.


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