Erinnern, warnen, Erbgut sichern: Die Macht der Düfte

Frische Erdbeerkuchen verbindet den charakteristisch süßen Geruch sicherlich mit positiven Erinnerungen

Lifestyle

Der Duft von frischem Erdbeerkuchen, das Bouquet des Lieblingsweins oder die frisch gemähte Sommerwiese: Düfte lassen Erinnerungen lebendig werden, beeinflussen die Gefühlslage – und können sogar über die Partnerwahl entscheiden. Das ist tief in unserer genetischen Programmierung verankert und macht den Geruchssinn damit zum unmittelbarsten unserer Sinne.

Wer seine Ferien stets bei der geliebten Oma verbrachte und dort frischen Erdbeerkuchen serviert bekam, verbindet den charakteristisch süßen Geruch sicherlich mit Positivem, und das ein Leben lang. Wer dagegen jeden Morgen widerwillig ein Glas Milch trinken musste, wird wohl noch im Erwachsenenalter beim Geruch von Milch schaudern. So können Düfte in Sekundenbruchteilen ganz unmittelbar die Erinnerungen an längst vergessene Tage wecken.

Doch wie ist das möglich?

Um es kurz zu machen: Unser Geruchssinn ist im biologisch ältesten Teil des Gehirns angesiedelt und besonders eng mit unseren Gefühlen und Erinnerungen verbunden.

Während visuelle, haptische oder akustische Signale zunächst in der Großhirnrinde des Gehirns „umkodiert“ werden müssen, wirken Gerüche direkt auf unser Gefühlszentrum. Beim Einatmen gelangen Duft-Moleküle zunächst auf das olfaktorische System, das aus rund vier Quadratzentimetern Riechschleimhäuten im oberen Bereich der Nase besteht. Dort sitzen auch zehn bis 30 Millionen Nervenzellen, die sich alle vier bis sechs Wochen erneuern und Rezeptoren für zirka 400 verschiedene Duftstoffe besitzen: die sogenannten Geruchsrezeptoren. Trifft ein bestimmter Geruch auf einen Geruchsrezeptor, werden die entsprechenden Duftmoleküle in elektrische Signale umgewandelt und an das Riechhirn weitergeleitet. Von dort aus wird der Impuls weitergeschickt ins Limbische System, dem Sitz der Emotionen. Bei Ankunft der Geruchsinformationen wird unmittelbar eine Emotion ausgelöst – so rufen einige Gerüche eben auch Erinnerungen wach.

„Ich kann dich nicht riechen“: Diese Redensart beruht auf Tatsachen! Geruchssympathien und -antipathien gibt es tatsächlich. Das ganz persönliche Geruchsprofil ist genetisch bedingt und dient evolutionsbiologisch der optimalen Fortpflanzung. Der eigene Geruch ist für andere Menschen in einem Radius von ein bis zwei Metern (mehr oder weniger unbewusst) wahrnehmbar und spiegelt die individuellen genetischen Anlagen wider. Ob wir unser Gegenüber „gut riechen“ können, entscheidet daher in erster Linie unser Gehirn: Es bevorzugt eine 75-prozentige Unterschiedlichkeit zum eigenen genetischen Profil. Denn das erhöht die Wahrscheinlichkeit gesunden und immunstabilen Nachwuchses – und schützt vor Inzest.

Es kann sich daher durchaus lohnen, das eigene Geruchsprofil vorteilhaft zur Geltung zu bringen. Frischer Schweiß enthält viele genetische Informationen und wirkt daher attraktiv. Nach einiger Zeit zersetzen Bakterien allerdings den Schweiß und erzeugen dabei einen unangenehmen Geruch. Eine gute und regelmäßige Körperhygiene ist daher unbedingte Voraussetzung für einen vorteilhaften Körperduft. Auch Kleidung sollte effektiv und regelmäßig gereinigt werden, damit schlechte Gerüche keine Chance haben, sich dauerhaft festzusetzen.

Das menschliche Riechsystem ist bei Babys bereits ab der 28. Schwangerschaftswoche aktiv, mit der Geburt ist der Geruchssinn komplett ausgereift. Er hilft Säuglingen beispielsweise, die Brust der Mutter zu finden. Das Geruchsgedächtnis des Kindes wird in den ersten drei Lebensjahren ausgebildet – ein gesunder Erwachsener kann schließlich deutlich mehr als 10.000 verschiedene Duftnoten unterscheiden.

Übrigens: Werdende Mütter sind im ersten Drittel der Schwangerschaft besonders geruchsempfindlich – der empfindliche Embryo soll vor Schaden bewahrt werden, der beispielsweise durch verdorbenes Essen oder Feuer entstehen kann.


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