„Stadtbummel wieder zum Erlebnis machen“

Die Ibbenbürener Innenstadt voller Passanten: ein immer selteneres Bild? Offenbar macht der Online-Handel dem stationären Handel das Leben schwer. Foto (Archiv): Podszun

Wirtschaft

Ibbenbüren/Münsterland. Die Menschen im Münsterland gehen nach wie vor gerne dort einkaufen, wo sie auch wohnen. Das hat die dritte Passantenzählung bestätigt, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen im Frühsommer in allen 20 Mittelzentren der Region durchgeführt hat.

Dass in mancher Fußgängerzone im Vergleich zur „verregneten“ Messung vor zwei Jahren diesmal weniger Passanten trotz besten Wetters unterwegs waren, macht Michael Radau aber nachdenklich. „Noch haben wir starke und attraktive Stadtzentren im Münsterland. Wir müssen aber mehr tun, damit das auch so bleibt“, sagte der Vorsitzende des IHK-Handelsausschusses am 10. August in Münster bei der Vorstellung der Ergebnisse. 

„Den Stadtbummel zum Erlebnis machen“ ist für Radau darum ein Rezept, um den „schleichenden Bedeutungsverlust unserer Zentren insbesondere durch den Onlinehandel“ zu stoppen. Das könne aber nicht allein Sache der Händler und Gewerbevereine sein, stellt er klar. Sie brauchten dafür die Unterstützung von Verwaltung und Politik, „zum Beispiel durch die unbürokratische Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen oder durch passgenaue Einzelhandelskonzepte“. Denn eines steht für ihn fest: Der Einzelhandel ist der bestimmende Faktor für die Attraktivität der Innenstädte. Radau: „Wer lebens- und erlebenswerte Zentren mit vielfältigen Versorgungsstrukturen erhalten will, muss den innerstädtischen Handel stärken.“

Die IHK-Passantenzählung wurde am 7. Juni (Donnerstag) und am 9. Juni (Samstag) zeitgleich an jeweils zwei Standorten in allen 20 Mittelzentren des Münsterlandes durchgeführt. Keine Überraschung ist für Radau, dass der Samstag seine Stellung als stärkster Einkaufstag in der Woche gefestigt hat. Im Mittel waren am Donnerstag 550 Passanten in jeder Fußgängerzone unterwegs, am Samstag dagegen mehr als 1.000. „Die Menschen wollen den freien Samstag nutzen, um entspannt einzukaufen, sich mit Freunden zu treffen oder im Café zu sitzen“, spricht Radau von einem Wandel der Verbrauchergewohnheiten.

Die höchste Passantenfrequenz wurde am Samstag in Rheine gemessen, wo am Standort Emsstraße 18-22 in einer Stunde 2.286 Passanten gezählt wurden. Dahinter folgen Bocholt (2.052 am Standort Neustraße 7) und Emsdetten (1.824 am Standort Katthagen 2). Ibbenbüren lag am Zählort Große Straße 10 bei 1.512 Passanten auf dem 5. Rang im Kreis Steinfurt.

Der IHK gehe es mit der Zählung aber nicht um ein Ranking, stellte Radau klar. „Wir wollen langfristig beobachten, wie sich die Anziehungskraft der Mittelzentren bei uns im Münsterland entwickelt, insbesondere welche Auswirkungen der wachsende Online­handel hat.“ Dass sich die Passantenzahl absolut gesehen trotz des deutlich besseren Wetters gegenüber 2016 nicht spürbar erhöht hat, „ist schon ernüchternd“, gibt Radau zu.

Jede Zählung sei zudem immer nur eine Momentaufnahme, die von Faktoren wie Veranstaltungen, Baustellen oder Wetter beeinflusst werde, und darum nur bedingt vergleichbar. „Wer die Ergebnisse aber sorgfältig analysiert und nicht nur die Zahlen nebeneinanderlegt, kann erkennen, an welchen Stellschrauben lokal gedreht werden kann“, so der Unternehmer aus Münster.


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