Das goldene Handwerk darf nicht aussterben!

Foto: commons.wikimedia.org / CC BY-SA 3.0 / Fotograf: Walter J. Pilsak, Waldsassen.

Wirtschaft

(DiLi). Am lang ersehnten Ende der Schulzeit fragen sich die Schüler jedes Jahr auf Neue: „Was mache ich nach der Schule?“ Eine Ausbildung zur Industriekauffrau, zum Kaufmann im Einzelhandel, vielleicht auch zum Mechatroniker oder zur medizinischen Fachkraft? Diese und andere in die Mode gekommenen Berufe stehen schon lange oben auf der Liste der meist gewählten Ausbildungsberufe.

Selten – bis fast gar nicht – lassen sich traditionelle Handwerksberufe in den Listen der beliebtesten Ausbildungsberufe finden. Böttcher, Buchbinder, Imker, Hufschmied, Glockengießer, Maßschuhmacherin und einige andere traditionelle Handwerke werden kaum noch gelehrt beziehungsweise gelernt. Diese klassischen Berufe sind, so könnte man sagen, vom Aussterben bedroht. Aber auch Ausbildungen wie zum Beispiel Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Schlosser, Tischler oder Maurer sind leider rückgängig.

Doch woran liegt es, dass die ehrwürdigen Berufe des Handwerks immer mehr verschwinden? Vielleicht ist ein Grund der Wandel der Gesellschaft zur Wegwerfgesellschaft? Die Qualität und die Arbeit, die sich hinter einem handgemachtem Gegenstand verbergen, werden nur noch selten erkannt und anerkannt, wodurch auch nur wenige bereit sind, den angemessenen Preis zu zahlen. Die Auftragslage ist zu gering, um eine gesamte Industrie aufrecht zu erhalten. Weshalb? Ein Hauptgrund könnte darin liegen, dass Jugendliche fast keinerlei Berührungspunkte zu handwerklichen Tätigkeiten in ihrem Alltag haben.

Unsaubere Arbeitsumgebungen und geringe Aufstiegsschancen kommen erschwerdend hinzu. Und wenn sich dann einmal ein junger Mensch für einen traditionellen Handwerksberuf begeistert, ist es mitunter schwierig, diesen zu erlernen, denn es gibt nur noch wenige Meister, die ausbilden. Es ist auch die verfehlte Bildungspolitik, die den jungen Menschen suggeriert, ein Abitur sei zwingend lebensnotwendig. Mit dem Ergebnis, dass Jungen und Mädchen bis zum Abitur „gepeitscht“ werden, auch wenn sie gar nicht die Fähigkeiten haben, später zu studieren. Muss denn jeder Schüler irgendwann einmal studieren? Gut laufende Traditionsbetriebe warten doch nur darauf, endlich übernommen zu werden.

Handwerkliche Ausbildungen rentieren sich übrigens schneller als gedacht. Wer sich nach seiner Lehre zum Techniker oder Meister weiterbildet, profitiert eher von der Investition in seine Ausbildung als so mancher Akademiker. Im Schnitt hat ein Meister oder Techniker seinen Einkommensverzicht in der Ausbildung mit 40 Jahren wieder aufgeholt, ein Hochschulabsolvent erst mit 43 Jahren.


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