Warum ertrinken Wale nicht im Schlaf?

Delfine schlafen mit jeweils immer nur einer Gehirnhälfte, und auch ein Auge bleibt während des Schlafes immer geöffnet. Foto: Gobierno CDMX / commons.wikimedia.org / CC0

(hp). Schlaf ist im Tierreich eine gefährliche Sache. So kann man zum Beispiel leicht die Beute eines Löwen werden, wenn man als Zebra, Antilope oder Giraffe im Tiefschlaf zufrieden vor sich hin schnarcht.

Im Schlaf ertrinken: Das könnte zum Beispiel Delfinen oder Walen passieren, wenn sie es verschlafen, rechtzeitig aufzutauchen und Atem zu holen.
Und manche Tiere könnten sogar in den Tod stürzen, wenn sie einschlafen. Das droht zum Beispiel Fregattvögeln oder Mauerseglern, die viele Wochen lang ohne Unterbrechung in der Luft bleiben können, ohne ein einziges Mal zu landen.

Um nicht im Schlaf aufgefressen zu werden, haben Tiere viele unterschiedliche Strategien entwickelt. Die einfachste ist sicherlich, möglichst wenig zu schlafen. Dafür haben sich zum Beispiel die Giraffen entschieden. Nicht einmal zwei Stunden am Tag schlafen sie insgesamt. Wegen ihrer Größe und weil sie sich durch kräftige Tritte ihrer Vorderbeine sehr gut verteidigen können, werden Giraffen zwar nur selten angegriffen. Liegen sie aber zum Schlafen auf dem Boden, sind sie ihren Feinden schutzlos ausgeliefert, weil sie nur sehr langsam und schwerfällig aufstehen können.

Erst wenn sie sich absolut sicher fühlen, legen sich diese Tier zum Schlafen nieder. Und selbst dann nur für kurze Zeit – manchmal nicht viel mehr als zehn Minuten, dafür aber mehrmals am Tag. Ein ganz anderes Problem haben Delfine und Wale, wenn sie schlafen. Als Säugetiere müssen sie regelmäßig zum Luftholen an die Wasser­oberfläche kommen.

Sich beim Schlafen an der Oberfläche treiben zu lassen und durch das Blasloch auf ihrem Rücken zu atmen, funktioniert für Wale und Delfine nicht. Grund ist, dass diese Tiere nicht wie wir Menschen und andere Tiere einen Atemreflex haben. Bei uns erfolgt das Atmen automatisch, auch wenn wir schlafen und sogar, wenn wir ohnmächtig sind.

Wale und Delfine aber müssen jeden Atemzug bewusst ausführen – und das ginge ja nicht, wenn sie komplett in einen Tiefschlaf fielen. Darum haben diese Tiere eine ganz besondere Strategie entwickelt: Es schläft bei ihnen abwechselnd immer nur eine Gehirnhälfte. Die andere bleibt wach (und auch immer ein Auge geöffnet) und veranlasst den Wal oder Delfin, rechtzeitig Atem zu holen.

Viele Haiarten haben ein ganz anderes Problem, wenn sie schlafen wollen. Sie haben zwar Kiemen und können damit unter Wasser „atmen“, müssen dafür aber ununterbrochen in Bewegung sein. Denn im Gegensatz zu anderen Fischen sind Haie nicht in der Lage, Wasser aktiv mit ihrem Maul anzusaugen und an den Kiemen vorbei wieder auszupressen. Haie müssen darum immer mit offenem Maul schwimmen, sodass Wasser in den Rachen hinein und von dort an den Kiemen vorbei wieder hinaus strömen kann. Darum muss ein Hai auch im Schlaf immer in Bewegung bleiben und kann sich nicht wie andere Fische schlafend einfach in der Strömung treiben lassen.

Ganz ähnlich wie die Delfine und Wale schlafen die Fregattvögel. Wochenlang bleiben diese Tiere über dem Meer manchmal in der Luft und müssen während dieser Zeit natürlich auch schlafen. Wie bei den Walen schläft abwechselnd immer eine Gehirnhälfte, während die andere wach bleibt. Allerdings schlafen sie auf diese Weise höchs­tens sechs Minuten am Stück.

Noch kürzer schlafen Mauersegler, die bis zu 300 Tagen ununterbrochen in der Luft bleiben können. Sie steigen zunächst hoch in die Luft und lassen sich dann wieder abwärts gleiten – während dieser Zeit schlafen sie dann. Für etwa zehn Sekunden.