Wie funktioniert das Impfen?

Nicht immer wird mit einer Spritze geimpft. Das Foto zeigt eine Grippeimpfung mittels eines Nasensprays. Auch eine Impfung durch Schlucken des Impfstoffes ist möglich. Foto: commons.wikimedia.org / gemeinfrei

(hp). Die Pocken, auch Blattern genannt, waren eine der schlimmsten Seuchen, unter denen die Menschheit in ihrer Geschichte jemals gelitten hat.  Etwa ein Drittel aller Erkrankten starb daran; wer sie überlebte, war für den Rest seines Lebens von entstellenden Narben gezeichnet.

Und bei wem die Krankheit sehr schwer verlief, dem drohten darüber hinaus Blindheit, Taubheit und Lähmungen. Seit dem Jahr 1977 sind auf der ganzen Welt keine Fälle von Pocken mehr aufgetreten und diese von Viren auslöste Seuche gilt als besiegt und ausgerottet.

Das verdanken wir ausschließlich dem Impfen, mit dem der Kampf gegen die Pocken schon im Jahr 1796 aufgenommen wurde. Damals hatten Wissenschaftler und Ärzte noch keine Ahnung davon, dass es Viren und Bakterien sind, die Krankheiten auslösen können. Das bewies erst der deutsche Mediziner und Wissenschaftler Robert Koch im Jahr 1876. Allerdings war schon seit Jahrtausenden bekannt, dass Menschen, welche die Pocken überlebt hatten, kein zweites Mal an ihnen erkrankten – also immun gegen die Seuche geworden waren.

Der englische Arzt Edward Jenner entdeckte im Jahr 1796, dass auch Menschen, die nur an den Kuhpocken erkrankt und wieder genesen waren, danach gegen die  Pocken immun waren. Da die Kuhpocken, eine Rinderkrankheit, beim Menschen ganz harmlos verläuft, kam er auf die Idee, Menschen mit  diesen Kuhpocken anzustecken und sie damit vor den echten Pocken zu schützen. Diese Methode war so erfolgreich, dass schon im Jahr 1807 in Bayern als ers-tem Land der Welt eine Impfpflicht gegen die Pocken erlassen wurde. Allerdings hatte noch niemand eine Ahnung, warum oder wie diese Impfung genau funktionierte.

Das änderte sich erst, als Wissenschaftler um das Jahr 1890 herum die Antikörper entdeckten. Sie sind eine der besten Waffen unserer Immunabwehr. Millionen davon schwimmen frei in unserem Blutkreislauf herum.
Antikörper sind allerdings keine Körperzellen, sondern winzig kleine Moleküle – und sie haben die Fähigkeit, sich an die Oberfläche von Krankheitserregern zu heften. Dadurch können diese nun von den ebenfalls im Blut treibenden Abwehrzellen erkannt und gefressen werden.

Auf jeden Erreger, ganz gleich ob Virus, Bakterie, Pilzspore oder auch Parasit, passen immer nur ganz bestimmte Antikörper.  Dringt ein neuer, unbekannter Krankheitserreger in den Körper ein, dann muss er zunächst von einer weiteren Art von Blutzellen erkannt werden. Vereinfacht erklärt untersuchen diese Zellen die Oberfläche des Eindringlings und stellen daraufhin Antikörper her, die ganz genau auf diese Oberfläche passen. Mehr und mehr dieser Antikörper werden produziert – so lange, bis die Krankheit besiegt ist. Zugleich „kennt“ der Körper nun den Krankheitserreger. Sollte er nochmals in den Körper eindringen, stehen die Antikörper schon bereit. Die Immunabwehr kann sofort reagieren und die Krankheit bricht nicht mehr aus.

Bei einer Impfung werden nun absichtlich Krankheitserreger in den Körper eingeschleust. Damit man davon nicht krank wird, sind diese zum Beispiel durch Züchtung stark geschwächt oder sogar vor der Impfung abgetötet worden. Für manche Krankheiten reicht es sogar aus, nur Bruchstücke der Erreger den Körper zu bringen.

Unsere Immunabwehr reagiert trotzdem: Wie bei einer echten Infektion erkennen die Zellen die Eindringlinge und stellen die passenden Antikörper her.
Sollte nun später ein Erreger, gegen den man geimpft wurde, in den Körper eindringen, kann die Immunabwehr sofort reagieren. Die Krankheit kann gar nicht erst ausbrechen.