Petra: Eine Stadt aus Fels geschlagen

Dies ist der Blick, der sich den Besuchern eröffnet, wenn sie aus der engen Schlucht den Talkessel betreten. Foto: David Bjorgen / commons.wikimedia.org / CC BY-SA 3.0

(hp) Vor über 2.500 Jahren lebte im heutigen Land Jordanien der Volksstamm der Nabatäer. Man weiß so gut wie nichts über dieses Volk und doch ist es weltberühmt. Denn es hinterließ uns eine der berühmtesten archäologischen Stätten der Welt: Petra – eine Stadt, deren Bauwerke vor Tausenden Jahren von ihren Erbauern aus Felsgestein herausgeschlagen wurden.

Die Stadt gilt heute als eines der Sieben Weltwunder der Neuzeit. Der Name Petra entstammt der griechischen Sprache und bedeutet ganz einfach Fels. Wie die Stadt von ihren Erbauern, den Nabatäern genannt wurde, weiß man nicht sicher. Vermutlich hieß sie Reqmu, was in der nabatäischen Sprache die Rote bedeutet. Dieser Name gründet sich auf den rötlichen Sandsteinfels, aus dem Petra geschlagen wurde.

Die Nabatäer hinterließen kaum schriftliche Zeugnisse, darum weiß man nur wenig über ihre Geschichte und die Geschichte der Stadt. Das wenige Wissen, das wir über Petra und die Nabatäer haben, stammt meist aus Aufzeichnungen der antiken Griechen und Römer.

Petra liegt verborgen in einem großen Talkessel inmitten eines kargen, bergigen Hochlandes. Es führen nur zwei Wege ins Tal und in die Stadt hinein. Der eine Weg ist ein schmaler Gebirgspfad, der nur sehr mühsam zu Fuß oder auf einem Esel oder Pferd bewältigt werden kann.

Der andere Weg führt durch eine etwa 1.500 Meter lange Felsenschlucht, bis zu 70 Meter tief und an ihrer engsten Stelle nur zwei Meter breit. Tritt man aus der Schlucht hinaus, eröffnet sich dem Auge ganz plötzlich ein spektakulärer Anblick: An den Wänden eines Talkessels ragen fast vierzig Meter hohe, in den roten Sandstein gemeißelte Tempelfassaden steil empor. Insgesamt sind von der Stadt etwa 800 historische Baudenkmäler bis heute erhalten geblieben.

Die Geschichte der Stadt begann, als sich etwa 500 Jahre vor Christi Geburt die Nabatäer in dem Tal ansiedelten. Zunächst lebten sie dort wohl noch in Zelten. Aber schon bald begannen sie, Gänge und Höhlen in den nicht allzu harten Sandstein zu schlagen.

Da die Stadt günstig an der Kreuzung zweier Karawanenwege gelegen war, brachten es die Nabatäer durch Handel zu beträchtlichem Wohlstand. Sie begannen nun damit, ihr Tal prächtig auszugestalten. Spätes–tens im zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt waren die Wände des Tales dicht an dicht mit aus dem Fels geschlagenen Gebäudefassaden bedeckt – meist monumentale Tempel oder Grabmäler. Ihr Tal verwandelten die Nabatäer dank eines ausgeklügelten Bewässerungssystems in eine blühende Oase.

Sie leiteten das Wasser von Quellen aus einem Umkreis von bis zu 25 Kilometer rund um die Stadt in ihr Tal. Dazu meißelten sie Wasserrinnen in die Felsen und verlegten Tonröhren, die sie ebenfalls in die Felsen eingelassen hatten.
Ungefähr 300 Jahre nach Christi Geburt hatte sich der Verlauf der Handelswege geändert und die Stadt Petra verlor ihre Bedeutung als Handelsplatz.
Nach und nach verließen daher immer mehr die Bewohner die Stadt, bis sie vor ungefähr 1.400 Jahren ganz aufgegeben wurde.