Warum feiern wir den Advent?

Der Adventskranz ist ein Symbol für die Adventszeit. Die vier Kerzen stehen für die vier Adventssonntage. Foto: pixabay

Morgen feiern wir den ersten Advent. Das Wort „Advent“ stammt aus der lateinischen Sprache und bedeutet „Ankunft“. In der Adventszeit bereiten sich die Christen in aller Welt darauf vor, das Weihnachtsfest zu feiern, an dem der Geburt und der Ankunft Christi auf der Erde vor etwa 2.000 Jahren gedacht wird. 

Eine Adventszeit wurde wohl das erste Mal im 5. Jahrhundert nach Christi Geburt begangen. Damals gab es allerdings nur einen einzigen Adventssonntag; dies war der letzte Sonntag vor dem eigentlichen Weihnachtsfest. Möglicherweise wurde aber schon vorher eine dreiwöchige Adventszeit in einigen Regionen Spaniens und Frankreichs begangen, in der die Menschen sich fastend und betend auf das Weihnachtsfest vorbereiteten.

Später dann, im 6. Jahrhundert nach Christus, ist aus der Stadt Rom bekannt, dass die Christen dort eine sechswöchige Adventszeit begingen. Diese hat Papst Gregor I. damals dann auf vier Wochen und Sonntage begrenzt. Doch auch danach wurde die Adventszeit noch nicht von allen Christen in gleicher Weise gefeiert.
Es dauerte noch neunhundert Jahre, bis eine Kirchenversammlung, die drei Mal in den Jahren von 1545 bis 1563 tagte, die Adventszeit verbindlich auf vier Wochen und vier Sonntage festschrieb und bestimmte, wie diese im Gottesdienst zu feiern seien.
Aber auch heute wird die Adventszeit nicht von allen Christen in gleicher Weise gefeiert. In der Orthodoxen Kirche wird die zum Beispiel als genau 40-tägige Fastenzeit vor dem Weihnachtsfest begangen. Ganz genau genommen handelt es sich hierbei nicht um eine „Adventszeit“, so wie wir sie verstehen, und sie wird in der Orthodoxen Kirche auch anders genannt: Philippus-Fastenzeit heißt sie hier. Benannt ist sie nach dem Apostel Philippus, nach dessen Gedenktag (14. November) diese Fastenzeit beginnt. Auch die Syrisch-Orthodoxe Kirche begeht ihre Adventszeit anders: Je nach Region dauert sie teils vier, teils fünf Wochen und wird hier „Wochen der Verkündigung“ genannt.

Für die katholischen und evangelischen Christen ist die Adventszeit von Jahr zu Jahr unterschiedlich lang. Das liegt daran, dass der 4. Advent immer auf den letzten Sonntag vor dem 25. Dezember fällt, dem ers­ten Weihnachtsfeiertag. Somit kann der 4. Advent spätestens auf den 24. und frühestens auf den 18. Dezember fallen. Zählt man von diesen Daten die Tage zurück, kann die Adventszeit nur an einem Sonntag zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember beginnen.
Der Adventskranz allerdings ist im Gegensatz zur Adventszeit, die ja seit rund 1.500 Jahren gefeiert wird, eine ganz junge „Erfindung“. Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern (1808–1881) hängte den ersten Adventskranz im Jahr 1839 in einem Kinderheim bei Hamburg auf. Da ihn die Kinder während der Adventszeit ständig gefragt hatten, wann es denn endlich Weihnachten sei, befes­tigte er auf einem alten Wagenrad 20 kleine rote und vier große weiße Kerzen und hängte dieses Rad unter die Zimmerdecke. An jedem Tag der Adventszeit wurde eine neue rote und an jedem Sonntag eine der großen weißen Kerzen entzündet, sodass die Kinder nun selbst jeden Tag abzählen konnten, wie viele Tage es noch bis Weihnachten war.

Aus diesem allerersten Kranz entwickelte sich im Laufe der Zeit der heute verwendete Kranz mit seinen vier Kerzen. Zuerst verbreitete er sich nur unter evangelischen Christen und Gemeinden.Ungefähr ab dem Jahr 1860 wurde er dann aus Tannengrün gefertigt. Das erste Mal wurde 1925 ein Adventskranz in einer katholischen Kirche aufgehängt und verbreitete sich so allmählich auch unter den katholischen Christen.