Wie entsteht eine Tropfsteinhöhle?

Ein Tropfstein, der sowohl von der Decke als auch vom Boden gewachsen ist und nun eine Säule bildet, nennt man Stalagnat. Foto: Schulte Renger

(hp) Vielleicht habt ihr ja auch schon einmal eine Tropfsteinhöhle besucht und dort die Stalagmiten und Stalaktiten bestaunt, die dort vom Höhlenboden in die Höhe oder von der Decke aus nach unten wachsen. Der Name Tropfsteinhöhle ist allerdings etwas irreführend, da er nichts darüber aussagt, auf welche Weise solch eine Höhle entstanden ist.

Tatsächlich kommen Tropfsteine in Höhlen vor, die sich auf sehr verschiedene Weise gebildet haben können. Auch in alten Bergwerksstollen oder an Kellerdecken und sogar unter alten Brücken wachsen manchmal Tropfsteine.

Damit sich Tropfsteine überhaupt bilden können, muss das die Höhle umgebende Gestein Kalk enthalten. Das ist auch der Grund, warum Tropfsteine in oder an Gebäuden vorkommen: Hier stammt der nötige Kalk aus dem Zement oder Beton des Bauwerkes.

Weiterhin braucht es Risse im Gestein, durch die Regenwasser sickern kann. Und nicht zuletzt Kohlensäure in diesem Regenwasser, da diese Säure in der Lage ist, Kalk aus dem Gestein zu lösen.
Die Säure im Regenwasser entsteht auf natürliche Weise. Der Regen nimmt auf seinem Weg durch die Atmosphäre Kohlendioxid aus der Luft auf, das sich in den Tropfen mit dem Wasser zu Kohlensäure verbindet.
Wenn nun das Wasser versickert und auf kalkhaltiges Gestein triff, löst die im Wasser enthaltene Kohlensäure daraus Kalk heraus. Trifft dieses Wasser nun auf einen Hohlraum, wie zum Beispiel auf eine Höhle oder einen Bergwerksstollen, kann sich der darin gelös­te Kalk durch den Kontakt des Wassers mit der Luft wieder verfestigen – der Kalk „fällt aus“, wie die Fachleute dazu sagen. Da in jedem Tropfen nur eine winzige Menge Kalk gelöst ist, dauert es viele Tausend Jahre, bis so ein Tropfstein zu einer ansehnlichen Höhe gewachsen ist.

Von der Höhlendecke herabhängende Tropfsteine entstehen, wenn sich der Kalk bereits an der Decke ablagert. Diese hängenden Tropfsteine nennt man Stalaktiten. Fallen die Tropfen zu Boden und lagern unten den Kalk ab, wachsen die Tropfsteine in die Höhe und werden Stalagmiten genannt. Den Unterschied zwischen den beiden kann man sich leicht merken: Das „M“ im Wort Stalagmit sieht mit seinen beiden Spitzen aus wie zwei Tropfsteine, die vom Boden emporwachsen. Und das „T“ statt des Buchstaben M im Wort Stalaktit sieht ein bisschen so aus wie ein dünner Tropfstein, der von der Decke herabhängt.

Manchmal kommt es vor, dass ein Stalaktit und ein Stalagmit zu einer Säule zusammengewachsen sind; solch ein Gebilde nennt man dann Stalagnat.

Aber es gibt noch viele weitere Tropfsteinformen, für die es zum Teil eigene Namen gibt: Es können sich Vorhänge und Fahnen aus Kalk bilden, wenn das Wasser nicht herabtropft, sondern zum Beispiel an einer Höhlenwand herab­rinnt.
Becken aus Tropfstein bilden sich, wenn Wasser in einer natürlichen Vertiefung des Höhlenbodens eine Pfütze bildet. An den Rändern der Pfütze setzt sich nun der Kalk ab und bildet auf diese Weise allmählich den Rand eines Beckens, der immer weiter in die Höhe wächst.