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Mo, Jun

Der schillernde, gesellige Imitationskünstler

Foto: Georg Dorff

Lengerich

(sf) Der Star gehört zu den Vögeln, die jeder kennt, sei es aus dem Volkslied „Alle Vögel sind schon da“ oder auch, weil der Blitzer am Straßenrand „Starenkasten“ genannt wird. In diesem Jahr wird dem geselligen Piepmatz eine besondere Ehre zuteil: Er ist der Vogel des Jahres 2018.

Leider gilt aber auch der Star als gefährdet in der aktuellen deutschlandweiten Roten Liste. Der Star ist in Deutschland flächendeckend verbreitet, besonders in den Agrarlandschaften in Sachsen und Sachsen-Anhalt gibt es große Dichten. 

Stare ernähren sich im Frühjahr von Kleinsttieren aus dem Boden, im Sommer und Herbst futtern sie gerne auch Früchte und Beeren. Was Wiesen, Felder und Weiden angeht, hat der Star mit dem gleichen Los zu kämpfen, wie fast alle seiner gefiederten Zeitgenossen: Nutztiere werden immer mehr nur im Stall gehalten, dadurch fehlen Würmer, Larven und Insekten. Die Umwandlung von Weiden in Mais­äcker oder Intensivgrünland entzieht den Vögeln ebenfalls einen Großteil der Nahrung. Beerentragende Hecken und Wildobst zwischen den Fel­dern suchen Vögel außerdem vielerorts vergebens. Dazu kommt überdies, dass der Star in Bruthöhlen in alten Bäumen nistet, die allerdings ebenfalls gerne ausgeforstet werden.

Der Star ist ein wahrlich hübscher Vogel, sein Federkleid schillert – zumindest im Frühjahr – in Gold, Blau, Grün und Violett und mit gelbem Schnabel. Im Winter ist er allerdings fast schwarz. Seinen Gesang empfinden wir als angenehm – er ist ein Imitationskünstler, daher sind seine Laute und Melodien recht abwechslungsreich und nicht monoton. Und er imitiert denkbar alles, was er um die Ohren bekommt: Frösche, Hühner, Gänse, Hunde, Katzen und Schafe, sogar Klingeltöne, Alarmanlagen, Rasenmäher oder knarrende Türen.

Die Mädels finden das besonders toll: Je einfallsreicher der Gentleman trällert, desto erfolgreicher ist er bei den Damen, die er mit stolzgeschwellter Brust und weit geöffneten Flügeln beschallt. Früher war dieses Talent sogar so beliebt, dass Stare im Käfig gehalten wurden, um ihnen das Sprechen beizubringen.

Auch Mozart soll sich einen Star als gefiederten Gesellen gehalten haben. Aber der Star ist nicht nur beliebt. Stare sind sehr gesellige Kameraden und leben gerne in großen Schwärmen. Gern gesehen waren große Schwärme, wenn sie Scharen von Heuschrecken oder Schnecken vertilgten, gefürchtet und gehasst allerdings im Beeren-, Trauben- oder Kirschanbau.

Die Bekämpfungsmaßnahmen, die sogar noch bis in die 80er Jahre (zum Beispiel in Frankreich mit Nervengift) eingesetzt wurden, sind äußerst umstritten. Als umweltverträglichere Möglichkeit bietet sich der Einsatz von Falken, Sperbern und Habichten bei Winzern und Obstbauern an.

Nistkästen bauen

Monogam oder mit mehreren Weibchen, da sind Stare nicht so streng. Wichtiger ist ihnen eine gute Nachbarschaft zu anderen Paaren. Stare brüten oft zwei Mal im Jahr, beginnend mit dem Bezug der Nisthöhle im März. Aus vier bis sechs weißlich bis hellblau-grünen Eiern schlüpfen nach zwölf bis dreizehn Tagen die Jungen, die drei Wochen lang von den Eltern im Nest gefüttert werden. Ende Juli ist die Brutzeit vorbei. Wer Nistkästen für Stare basteln möchte, findet unter www.nabu.de/vogelschutz/nisthilfen/star.pdf eine Bauanleitung. Praktische Bausätze gibt es bei Nabu-Ortsvereinen, Hegeringen am Ort oder im Internet für rund 10 Euro.

Wer einen Star aus der Nähe (leider nur präpariert) betrachten möchte, kann auch am ersten Sonntag im Monat (nächster Termin 4. März) ins Willi-Hellermann-Museum nach Ibbenbüren fahren. Das Museum liegt direkt neben dem RWE-Kraftwerk Ibbenbüren, der Schornstein und der Kühlturm als weithin sichtbare Landmarken dienen schon aus der Ferne als Wegweiser. Für alle, die eher auf das Navi vertrauen: Schwarzer Weg 25, 49477 Ibbenbüren.

Geöffnet ist das Museum von 11 bis 17 Uhr. Auch Bausätze für Nistkästen werden dort angeboten.

Der Star ist ein großer Beerenfreund. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass große Schwärme im Obstanbau oder bei Winzern nicht sonderlich beliebt sind. Foto: NABU / Istock

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