Auf Kohle geboren

Überregional

Westfalen (lwl). Auf der neuen DVD „Auf Kohle geboren – Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Westfalen“ zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die wechselvolle Geschichte vom Steinkohlenbergbau als Schlüsselindustrie der Nachkriegszeit zum Sorgenkind der bundesrepublikanischen Wirtschaft.

 

Die Menschen stehen im Mittelpunkt des Filmes des Regisseurs Claus Bredenbrock. Zunächst geht es um den Bergmann als umworbenen Facharbeiter. Zwanzig Jahre später ist aus ihm der buchstäblich „auf Halde“ geschobene Arbeitslose geworden. Das Leben auf und mit Kohle steckt im Strukturwandel mit unsicherem Ausgang. Während die Filmbilder von Protestaktionen laufen, bringt es der Gewerkschaftsvorsitzende Walter Arendt 1966 auf den Punkt: „1945, da war der Bergmann ein verhätschelter Mann, da sagte man, er ist der Aristokrat der Arbeitnehmer, er ist der erste Mann im Staat. Im Jahre 1966, da möchte man diesem Bergmann am liebsten in den Hintern treten.“

Bredenbrock zeigt, wie die Menschen und die Politik auf die Krise reagiert haben. Können die Zechen auch nicht gehalten werden, so wird um die Arbeitersiedlungen erbittert gerungen. An vielen Stellen werden die alten Produktionsanlagen abgerissen, stellenweise werden sie als Museum oder mit einer anderen neuen Nutzung erhalten. In Bochum gelang 1960 mit hohem finanziellen Engagement die Ansiedlung von „Opel“, was für vier Jahrzehnte viele Arbeitsplätze sicherte.

In Gelsenkirchen wurde 1997 das Gelände „Nordstern“ mit hohem finanziellen Aufwand für die Bundesgartenschau hergerichtet. In Ibbenbüren am Teutoburger Wald wird 2018 die letzte Steinkohlenzeche Westfalens – und Deutschlands – geschlossen; das voraussichtliche Ende eines über 150-jährigen Kapitels westfälischer Geschichte. Viele Industrieanlagen bleiben als Kulturzeugnisse erhalten und gehören somit weiter zum Leben der Menschen in der Region.

Einen besonderen Schwerpunkt legt der Film auf die Städte Gelsenkirchen und Bochum. In beiden Städten war der Kohlebergbau Jahrzehnte lang markant im Stadtbild wahrzunehmen, und beide haben über viele Jahre hinweg Filme und Jahreschroniken hergestellt, deren Bilder eine wichtige Quellenbasis für die Dokumentation bilden.

„Im Vergleich ‚Gestern‘ und ‚Heute‘ können die Filme des LWL älteren und jüngeren Bewohnern vor Augen führen, was es an kultureller Vielfalt zu bewahren gilt und wofür es sich lohnt, seine Kräfte einzusetzen“, sagte Dieter Gebhard, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung jetzt bei der Premiere des Filmes vor über 150 Gästen in der Gel-senkirchener Schauburg. „Und so hoffe ich, dass auch diese DVD ‚Auf Kohle geboren‘ mit dazu beitragen wird, dass sich die Menschen noch stärker mit der Region Ruhr identifizieren“, so der Gelsenkirchener weiter.


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