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Bäume brauchen dringend Wasser

Steinfurts Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer machte es schon mal vor: Die Bäume vor der Haustür brauchen dringend Wasser. Kerstin Timmers (Baubetriebshof), Hans Schröder (Technischer Beigeordneter), Jürgen Feldkamp (Vorarbeiter Team Baum) und Landwirt Jens Hermeler sorgen entlang der Straßen und in Parks in Steinfurt – zum Beispiel in der Großen Allee im Bagno – für Bewässerung. Foto: Simone Friedrichs

Steinfurt

Steinfurt (sf). Wer genau hinschaut, hat bestimmt schon die grünen Wassersäcke an jungen Bäumen entlang der Steinfurter Straßen entdeckt. Diese sind nicht wie sonst nur an jungen Bäumen in den ersten zwei Jahren nötig, sondern länger: „Fünf Jahre müssen wir wohl mittlerweile dafür sorgen, dass junge Bäume genug Wasser bekommen“, sagt Jürgen Feldkamp, Chef des städtischen Teams, das für die Bäume zuständig ist.

Rund 100 Bäume können über diese Säcke derzeit versorgt werden. Alle zwei Tage werden diese befüllt und geben das Wasser langsam an die Baumwurzeln ab. Aber es gibt natürlich noch sehr viel mehr Bedarf. „Wer einen oder mehrere Bäume vor der Haustür stehen hat, soll doch möglichst mit einer Kanne Wasser oder einem Eimer pro Tag gießen. Das ist unsere große Bitte an die Bevölkerung“, appelliert Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer. Denn nicht nur der Straßenbewuchs, auch Parks und Grünanlagen müssen von der Stadt erhalten werden. „Wir müssen da mittlerweile schwere Geschütze auffahren. Zuerst hatten wir die Eichenprozessionsspinner, jetzt die Trockenheit“, so Hans Schröder, der als Technischer Beigeordneter die ganzen Maßnahmen koordiniert. „Oberstes Ziel muss die Erhaltung sein, denn eine Aufforstung erstmal abgestorbener Pflanzen wäre viel teurer.“ 

Mit der Beauftragung eines Lohnunternehmens über den „Maschinenring“ (MR)sei man auf gutem Weg. Jens Hermeler ist Steinfurter Landwirt und Dienstleister des MR. Mit dem Wasserfass ist es nun wenigstens kurzfristig und flexibel möglich, relativ große Bepflanzungen vor dem Dürretod zu retten.

Das Wasser kommt von den Stadtwerken. „Keine Sorge: Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Echelmeyer hat mir heute noch versichert, dass es hier noch genug Wasservorrat gibt“, so Bögel-Hoyer. „Sollte es knapp werden mit dem Trinkwasser, werden wir natürlich sämtliche Maßnahmen für die Grünflächen sofort stoppen“, betonte Schröder hierzu. Außerdem gäbe es schon jetzt jede Menge Totholz, das entfernt werden müsse und Investitionen in den Baumschutz seien enorm gestiegen.

Waldbrandgefahr bleibt

Kreis Steinfurt. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit bleibt die Waldbrandgefahr im Kreis Steinfurt hoch. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes zeigt aktuell die zweithöchste Warnstufe an. Der Kreisbrandmeister hat die Alarmstufen der Feuerwehren im Kreis bereits angepasst. Das Ordnungsamt des Kreises Steinfurt bittet Bürger um umsichtiges Verhalten und besondere Vorsicht im Freien. Rauchen ist im Wald ohnehin zwischen dem 1. März und 31. Oktober gesetzlich verboten. Auch offene Feuer und das Grillen im Wald sind nicht erlaubt. Hier ist ein Mindestabstand von 100 Metern zum Wald einzuhalten. Offene Feuer und Glut dürfen nie unbeaufsichtigt sein. Zigaretten sind vollständig auszudrücken. Am besten in einem Aschenbecher, denn achtlos weggeworfene Kippen können noch glimmen und entlang von Straßen und Wegen Brände von Wäldern, Wiesen und Feldern auslösen. Auch auf Wald-, Wiesen- und Feldwegen abgestellte Fahrzeuge können durch einen heißen Auspuff oder den Katalysator Brände verursachen und sind deshalb unbedingt auf befes­tigten Flächen abzustellen. Gleichzeitig bleiben somit Zufahrten als Rettungswege frei. Im Fall eines Brandes geht die eigene Sicherheit vor und die Gefahrenstelle ist nach Absetzen des Notrufs unter 112 sofort zu verlassen.

Lunge der Gesellschaft

Nicht nur der städtische Baumbestand entlang der Straßen und in Parks ist von der Trockenheit betroffen.Auch auf dem Wald, der Lunge unserer Gesellschaft, liegt in Zeiten des Klimawandels ein besonderes Augenmerk. Denn der Wald besitzt durch Aufforstung ein großes Potential zum Klimaschutz. CDU-Landtagsabgeordnete Christina Schulze Föcking traf sich zur Waldbegehung im Bagno in Steinfurt, und zwar mit dem Eigentümer, Erbprinz Carl-Ferdinand zu Bentheim Steinfurt, Revierleiter Olaf Hoffmann und Kammerdirektor Henning Buss.

Auf ihrem Weg durch den Wald fielen ihnen unter anderem Buchen auf, die aufgrund der Bodentrockenheit langsam absterben und Eschen, die von einem Pilz befallen sind. Auch Hoffmann schätzt, dass etwa 80 Prozent der 450 Hektar Wald angeschlagen oder geschädigt sind. „Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der zahlreichen Schädlinge lohnt es sich für Waldbesitzer aus ökonomischer Sicht mit Risikobetrachtung kaum noch, weitere Bäume anzupflanzen“, so Buss. Aus diesem Grund sorgt sich Schulze Föcking besonders um kleinere Waldbesitzer.

Ein weiteres Problem sei die nur zähe Neuzulassung von Pflanzenschutzmitteln. „Wir haben kaum Möglichkeiten flexibel auf die neuen Probleme im Zusammenhang mit der Klimakrise sowie neuen Schädlingen zu reagieren“, so Hoffmann. Was Schulze Föcking darüber hinaus umtreibt, ist die Frage nach Respekt vor Eigentum. Aufgrund des Betretungsrechts von Wäldern müssen Waldbauern die Verkehrssicherungspflicht im Wald übernehmen. Das bedeutet, dass der Wald regelmäßig kontrolliert wird und auch Wege bereitgestellt werden, wie dies im Bagno geschieht. Trotz dieser zusätzlichen Aufgaben und Dienstleistungen erhalten die Waldbesitzer aber keine zusätzliche Vergütung.

Erbprinz Carl-Ferdinand,  Kammerdirektor Henning Buss, Revierleiter Olaf Hoffmann erklärten Christina Schulze Föcking die Situation des Waldes im Bagno. Foto: privat

Waldbrandgefahr durch Besucher

Dazu kommt, dass mit dem Betretungsrecht des Waldes die Waldbrandgefahr steigt. Denn zahlreiche Besucher würden sich nicht an das entsprechende Rauchverbot halten, berichtet Hoffmann. Zum Abschluss der Waldbegehung lobte Schulze Föcking die Arbeit der Förster im Bagno.

Die Pflege des Waldes und die zahlreichen zusätzlichen Aufgaben könnten nur mit viel Wissen, Zeit und Geld geleistet werden. Dazu trat im Juni 2019 eine neue Förderrichtlinie des Umweltministeriums des Landes NRW in Kraft, die die Waldbauern bei der Bekämpfung der Wetterschäden unterstützen soll.

Kreis verbietet Wasserentnahmen

Kreis Steinfurt. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit, fordert die Untere Wasserbehörde des Kreises Steinfurt die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Steinfurt auf, Wasserentnahmen aus allen Fließgewässern zu unterlassen. Hintergrund sind stark sinkende Wasserstände in den Gewässern.

Bislang waren nur Oberläufe im Kreis Steinfurt von der Trockenheit betroffen, nun haben auch Mittel- und Unterläufe Tiefststände erreicht oder diese teilweise unterschritten. Wer aktuell Wasser aus Fließgewässern entnimmt, gefährdet den Wasserhaushalt, den Naturhaushalt und die Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie und verstößt somit gegen geltendes Recht. Alle Inhaber einer Erlaubnis zur Entnahme von Wasser aus Fließgewässern sind zwingend an die in der Erlaubnis festgehaltenen Mindestwasserstände gebunden. Sind diese unterschritten, ist jegliche Wasserentnahme umgehend einzustellen.

Zuwiderhandlung können seitens der Unteren Wasserbehörde mit Bußgeldern geahndet werden.
Die Untere Wasserbehörde beim Kreis Steinfurt ist – ausgenommen die Ems und die Kanäle – Aufsichtsbehörde über alle Gewässer im Kreis. In dieser Funktion wird sie in nächster Zeit verstärkt Kontrollen durchführen. Darüber hinaus werden, aus Gründen der Vorsorge, bis auf Weiteres keine neuen Genehmigungen zur Wasserentnahme aus Fließgewässern mehr erteilt.

Der Kreis Steinfurt verbietet bis auf Weiteres alle Wasserentnahmen aus oberirdischen Gewässern. Foto: Kreis Steinfurt, Lehmeyer-Kerk


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